Autoallianz
Opel-Roulette: Nicht nur die Liebe zählt

Die Investorensuche für Opel geht auf die Zielgerade. Neben Fiat sind auch noch andere Adressen im Rennen. Und bei der Partnerwahl ist jetzt schon klar, dass am Ende nicht nur die Liebe zählen wird. Das Handelsblatt nimmt alle Optionen unter die Lupe - und sagt, was sie am Ende für die Rüsselsheimer bedeuten könnten.

FRANKFURT. Das monatelange Ringen um eine Zukunft von Opel steuert offenbar auf die Zielgerade zu: Die Bemühungen um einen Investor haben die entscheidende Phase erreicht. Gleich drei führende Vertreter der Bundes- beziehungsweise der hessischen Landesregierung bemühen sich am Wochenende in Gesprächen mit der US-Regierung einer Lösung für die Zukunft des ums Überleben ringenden Autobauer näher zu rücken. Noch interessieren sich allerdings neben dem italienischen Autobauer Fiat auch weitere Adressen für einen Einstieg bei der deutschen Tochter des kriselnden US-Autokonzerns General Motors. Und jeder für sich hat Stärken und Schwächen.

Fiat

Der italienische Autobauer Fiat gilt derzeit als klarer Favorit für einen Einstieg bei Opel. Ein CDU-Politiker empfahl den Opel-Arbeitnehmern am Donnerstag bereits, dankbar auf Knien über die Alpen nach Turin zu rutschen. Doch der massive Widerstand der Arbeitnehmerbank könnte zum großen Manko für die Italiener werden. Denn IG Metall und Belegschaftsvertretern machen offensiv Front gegen eine Übernahme durch Fiat.

Auch bei den italienischen Gewerkschaften regt sich Widerstand gegen die mögliche Übernahme von Opel. Enzo Masini, einer der Anführer der Gewerkschaft Fiom-Cgil sagte, die Arbeitnehmervertreter seien besorgt über eine mögliche Einigung mit Opel, da dies zu Entlassungen und Werksschließungen führen könnte.

Fiat-Chef Sergio Marchionne selbst hatte Werksschließungen im Falle einer Opel-Übernahme indirekt angedroht. Er wies darauf hin, dass es in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine Werksschließungen in der Autobranche gegeben habe. Aber angesichts der Krise und der geringeren Nachfrage „muss die Branche als Ganzes einen neuen Blick darauf werfen“, sagte er.

Der italienische Autokonzern hat nach eigenen Angaben jedoch noch gar kein Angebot für einen Einstieg bei dem deutschen Hersteller Opel vorgelegt. Nach Aufforderung der italienischen Börsenaufsicht Consob veröffentlichte das Unternehmen am Freitag eine Erklärung, in der es hieß: „Fiat wünscht klarzustellen, dass mit Ausnahme dessen, was bereits in Bezug auf die strategische Allianz mit Chrysler angekündigt wurde, kein Angebot gemacht wurde, einen Anteil an Opel zu erwerben.“

Tatsächlich sind die Italiener kein Traumpartner für Opel, da die Überschneidungen der beiden Hersteller immens sind. Beide sind hauptsächlich auf den europäischen Markt konzentriert, beide haben ihren Schwerpunkt im Sektor Kleinwagen, beide ächzen unter massiven Überkapazitäten und stehen finanziell auf wackeligen Beinen. Doch Fiat würde für Opel zumindest eine industrielle Perspektive bieten, auch wenn Werksschließungen und Stellenabbau bei Opel in diesem Fall unvermeidlich wären. Denn zusammen könnten die beiden Hersteller durchaus Kostenvorteile durch einen gemeinsamen Einkauf, gemeinsame Plattformen sowie eine gemeinsame Entwicklung realisieren.

So standen der Opel-Kleinwagen Corsa und das Fiat-Modell Punto bereits einmal auf einer gemeinsamen Plattform und arbeiteten die Italiener mit Opel beim Thema Diesel eng zusammen. Doch das war bevor die Allianz des Opel-Mutterkonzerns General Motors 2005 mit Fiat im Streit auseinanderging. "Fiat und Opel, das ist wie Feuer und Wasser", glaubt deshalb Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler ist da optimistischer "Es wäre eine praktikable Lösung", sagte er, "und eine viel bessere Lösung als so manch anderes Szenario für Opel".

Magna

Der kanadisch-österreichische Autozuliefererkonzern Magna ist neben Fiat der andere Hauptinteressent für Opel. Magna hatte bereits 2007 gemeinsam mit dem kanadischen Finanzinvestor Onex eine Mehrheit an Chrysler übernehmen wollen, zog damals aber gegenüber dem Finanzinvestor Cerberus den Kürzeren und verbündete sich später mit den russischen Hersteller GAZ.

Nun greift der Zulieferer erneut nach einem namhaften Autobauer, wie mehrere Politiker bestätigten. Magnas Vorteil: Der Lieferant hat die einflussreiche Arbeitnehmerbank von Opel auf seiner Seite, da es deutlich weniger Überschneidungen als mit Fiat gibt. Dudenhöffer hält für Opel eine Dreier-Koalition aus dem Autozulieferer Magna, dem russischen Autobauer GAZ und General Motors für optimal. "Man hätte eine Geschichte, wo alle drei und Opel gewinnen könnten", sagte er.

GAZ winkte jedoch bereits ab. Magna ist einer der größten Autozulieferer der Welt mit rund 23 Mrd. Dollar Umsatz und verfügt über Erfahrung im Fahrzeugbau. Doch auch der Zuliefererkonzern mit einem Stammsitz im österreichischen Graz bekommt die schwere Branchenkrise mit voller Wucht zu spüren und müsste aufpassen, dass seine übrigen Kunden, zu denen viele große Adressen der Branche von Daimler über BMW bis hin zu Aston Martin, Porsche und Peugeot zählen, einen Einstieg nicht als Kampfansage auffassen. Mehr als eine kleine Minderheitsbeteiligung dürfte deshalb bei Magna für Opel nicht drin sein - die Österreicher sind damit nur die kleine industrielle Lösung.

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