Autobauer
Chinesen dürfen Opel-Bücher durchforsten

Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Sache mit Magna und Opel noch lange nicht unter Dach und Fach ist: Der chinesische Autobauer BAIC darf laut einem Zeitungsbericht die Bücher des Rüsselsheimer Konzerns durchschauen. Für die Opelaner gibt es derweil eine unangenehme Nachricht: Ihr Urlaubsgeld wurde kurzerhand eingefroren.

HB FRANKFURT. Der Autozulieferer Magna bekommt nach einem Pressebericht doch noch ernsthafte Konkurrenz bei der Übernahme von Opel. Der staatliche chinesische Autohersteller Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) habe die Erlaubnis zur Prüfung der Bücher erhalten, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrer Donnerstag-Ausgabe aus Kreisen der bisherigen Opel-Mutter General Motors (GM) bestätigt. Das Unternehmen aus Peking wolle schon in den kommenden Tagen mit der sogenannten „Due Diligence“ im elektronischen Datenraum beginnen. Der nächste Schritt wäre eine verbindliche Offerte an die mit dem Verkauf beauftragte Bank Dresdner Kleinwort.

Magna will zusammen mit der staatlichen russischen Sberbank 55 Prozent an Opel übernehmen, hat dafür aber hohe Staatshilfen gefordert. Momentan wird an den Details des Verkaufs gefeilt. Laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt es parallel Kontakt zu mehreren anderen Interessenten. Im Bieterverfahren waren neben Magna und BAIC noch der US-Finanzinvestor Ripplewood und der italienische Autohersteller Fiat aufgetreten.

Laut „FAZ“ ist für die nächsten zwei Wochen der Besuch einer Delegation aus China geplant. BAIC-Chairman Xu Heyi wolle dann bei Betriebsräten, Gewerkschaften und Politikern um Vertrauen für seinen industriellen Plan werben. In einem ersten Grobkonzept von Ende Mai hatten die Chinesen laut der Zeitung in allen relevanten Punkten etwas größere Zugeständnisse gemacht als der Rivale Magna. Das Angebot ging jedoch sehr spät ein.

Für die Bundesregierung und für GM sei der Einstieg der Chinesen in den Bieterprozess ein willkommenes Mittel, den Druck in den Verhandlungen mit Magna zu erhöhen, erläutert die „FAZ“. Derzeit gehört Opel noch zu 65 Prozent einer vom deutschen Staat kontrollierten Treuhandgesellschaft und zu 35 Prozent GM. Mit dieser Lösung war Opel vor dem Strudel der Insolvenz seines Mutterkonzerns geschützt worden.

Außerdem gab es heute eine schlechte Nachricht für die Mitarbeiter: Opel hat die Auszahlung des Urlaubsgelds für die rund 25 000 Beschäftigten in Deutschland bis auf weiteres ausgesetzt. Ebenso werde die fällige Tariferhöhung für die Metall- und Elektroindustrie auf Eis gelegt, geht aus einer Mitteilung des Opel-Betriebsrats hervor, die Reuters am Donnerstag vorlag. Die zweite Stufe der Tariferhöhung sah bei Opel einen Aufschlag von 1,2 Prozent vor. Zuvor hatte bereits die „Süddeutsche Zeitung“ über die Maßnahme berichtet. Demnach beläuft sich das Urlaubsgeld bei Opel auf 85 Prozent eines Monatsentgelts.

Die Beiträge, auf die die Arbeitnehmer verzichten, sollen als Mitarbeiterkapitalbeteiligung in das neue Opel/Vauxhall-Unternehmen eingebracht werden. Voraussetzung dafür ist ein erfolgreicher Vertragsabschluss mit dem Konsortium um den Autozulieferer Magna, das bei Opel einsteigen will. „Sollten die Verhandlungen scheitern, sind die Vereinbarungen innerhalb einer Woche kündbar“, hieß es in der Mitteilung. Weitere Bedingung für die Zugeständnisse sei, dass die Zukunft von Opel langfristig gesichert sei und auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werde. Wie hoch der Beitrag der „Opelaner“ in diesem Jahr ausfalle, stehe noch nicht fest. „All das wird Thema der Verhandlungen sein, wenn geklärt ist, dass Magna definitiv einsteigt.“ Dies gelte auch für das Weihnachtsgeld und die Tariferhöhungen.

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