Autobauer
„Opel kann sich nicht von GM trennen“

Die Opel-Mitarbeiter haben es nicht leicht, denn eine schlechte Nachricht jagt die nächste. Auch wenn die Betriebsräte vor Schwarzmalerei warnen, ist die Zukunft der GM-Tochter offen. Armin Schild, Opel-Aufsichtsrat und Bezirksleiter der Frankfurter IG Metall stellt klar: Eine gänzliche Trennung von GM ist keine Option.

Herr Schild, der Opel-Mutterkonzern General Motors braucht noch dieses Jahr rund vier Milliarden Dollar, um das Überleben zu sichern. Was passiert mit Opel, wenn der US-Kongress die Gelder nicht bewilligt?

Wenn GM in die Insolvenz geht wird dies nicht automatisch das Ende von Opel bedeuten. Es gibt zwei US Varianten der Insolvenz. Eine "Chapter 7" Insolvenz beendet die operative Geschäftstätigkeit. Das wäre eine Katastrophe mit weltweiten Auswirkungen; auch für Opel. Bei einer "Chapter 11" Insolvenz wird die Geschäftstätigkeit fortgesetzt und Gläubigerschutz gewährt; allerdings mit Auflagen. Und diese Auflagen würden Opel treffen. Auch die amerikanischen Steuerzahler werden nicht bereit sein, mit ihrem Geld Unternehmen auf der anderen Seite des Atlantiks zu unterstützen. Genau dafür, um in dieser Situation das Überleben von Opel zu ermöglichen, brauchen wir die in Rede stehende Bürgschaft.

Muss Opel jetzt aus dem GM-Konzern herausgelöst werden und sich neue Partner suchen?

Opel kann auf Sicht nicht gänzlich aus dem GM Konzern herausgelöst werden. Dafür ist die Vernetzung im Konzernverbund zu eng. Aber Opel muss eigenständiger werden. Schon um den wechselseitigen Besorgnissen der Steuerzahler und Regierungen zu begegnen, die ihr Engagement ja davon abhängig machen, dass deren Hilfe dort eingesetzt wird, wo sie aufgebracht wurde. Schon dafür muss Opel/Vauxhall zu einem tatsächlich eigenständigen Unternehmensverbund werden. Im übrigen ist das eine Forderung der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat bei Opel. Das Unternehmen wird auch strategisch viel zu eng aus Detroit geführt. Insofern ist die Krise eine Chance. Wir sehen die Zukunft von Opel zwar im GM Konzernverbund aber mit viel stärkerer Eigenständigkeit als europäische Marke und europäisches Unternehmen. Wir fordern die Entwicklung eines entsprechenden Geschäftsmodells.

Wie trifft der geplante Verkauf von Saab das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim, das doch den neuen Saab 9.5 mitbauen soll?

Fakt ist, dass ab Herbst nächsten Jahres die Produktion dieses Fahrzeugs für Rüsselsheim geplant ist. Wenn dieses Volumen tatsächlich ausfallen sollte, wird das die Auslastung zunächst entsprechend verringern. Da Rüsselsheim den Insignia auf der gleichen Linie fertigt und da dieses "Auto des Jahres" vielversprechend gestartet ist, haben wir Hoffnung, dass mit Bordmitteln dieser drohende Ausfall bewältigt werden kann.

Freitag ist Betriebsversammlung in Rüsselsheim. Rechnen Sie damit, dass es erste Ergebnissen bei den Verhandlungen über ein Sparpaket geben wird?

Nein. Der Betriebsrat und die IG Metall haben von Anfang an gesagt, dass Opel ein Geschäftsmodell und einen entsprechenden Business Plan entwickeln muss, der die Marke, die Standorte und die Beschäftigung sichert. Das wäre eine der Voraussetzungen für uns um möglicherweise über Beiträge der Arbeitnehmer im Rahmen eines Sparpakets zu sprechen. Beides liegt nicht vor. Deshalb gibt es auch keine Verhandlungen und erst recht keine Ergebnisse. Im übrigen werden wir bei Opel/Vauxhall, wie in der Vergangenheit, europäisch und national koordiniert vorgehen. Ein Ausspielen der Standorte gegeneinander werden wir nicht zulassen.

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