Autobauer
Opelanern droht kräftige Lohneinbuße

Opel muss Opfer bringen, damit es gerettet werden kann. Das gilt auch für die Beschäftigten. Nun wurde bekannt, was das konkret bedeuten könnte: Auf die Opelaner kommt ein deutlicher Lohnverzicht zu. Derweil streiten sich die Politiker weiter über die Rettung des Autobauers.

HB BERLIN/FRANKFURT/ERFURT. Auf die Opel-Beschäftigten könnte ein Lohnverzicht im zweistelligen Prozentbereich zukommen. Das sagte der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeine". Damit konkretisierte der Betriebsrat den Beitrag der Opel-Beschäftigten zu einem Sanierungsplan, über den der Mutterkonzern General Motors (GM) gleichzeitig 950 Mio. Euro in Europa sparen und in Deutschland staatliche Hilfen von mindestens 3,3 Mrd. Euro erlangen will.

Sollte es zu einer Vereinbarung möglichst aller Opel-Werke über einen Lohnverzicht kommen, könnte es einen Ergänzungstarifvertrag geben, der den eigentlichen Tarifvertrag unterschreite, sagte Lieske. Es gebe Forderungen von GM nach Lohnverzicht, die er aber in der Höhe nicht näher beziffern wolle.

Derweil streiten sich Politiker immer stärker darüber, wie eine Rettung Opels aussehen sollte: Hessens Ministerpräsdient Roland Koch (CDU) reagierte mit scharfen Worten auf Vorschläge, im Fall von Opels eine Insolvenz zu prüfen. "Ich fordere dringend dazu auf, das Gerede über eine mögliche Opel-Insolvenz schleunigst einzustellen. Wer ständig darüber schwadroniert, zerstört das Vertrauen von Kunden und Lieferanten und redet eine Insolvenz herbei", sagte Koch der "Bild am Sonntag". SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte "Drohszenarien wie das einer Insolvenz" seien unverantwortlich.

Auslöser der Diskussion waren Äußerungen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Handelsblatt. Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte auf die Vorteile einer Insolvenz hingewiesen. Der ums Überleben ringende Autohersteller General Motors lehnt einen Insolvenzantrag seiner deutschen Tochter Opel weiter ab. Die in der Politik als Rettungsmaßnahme debattierte Möglichkeit einer Opel-Insolvenz sei derzeit keine Option, sagte ein Sprecher von GM Europa. Um bei einer möglichen Pleite von GM nicht mitgerissen zu werden, hat Opel in Europa 3,3 Milliarden Euro an Staatshilfen beantragt.

In der Opel-Arbeitnehmerschaft stieß die Diskussion in der Bundesregierung über eine mögliche Insolvenz des Autobauers auf scharfe Kritik. Eine Insolvenz des Autobauers Opel hätte nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz verheerende Folgen für das Unternehmen. "Wir haben das abschreckende Beispiel von Saab vor Augen, wo von jetzt auf gleich zwei Drittel der Aufträge weggebrochen sind", sagte er am Wochenende.

In der Wirtschaft wächst die Kritik an Staatshilfen für den Autobauer. "Opel ist kein systemrelevantes Unternehmen. Deshalb gibt es keinen Grund für staatliche Rettungsprogramme", sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel dem Handelsblatt. Bei einer geordneten Insolvenz könnte Opel mit einem neuen Partner einen Neuanfang starten und Arbeitsplätze erhalten.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen hat das Kanzleramt Äußerungen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu dem Thema mit Befremden zur Kenntnis genommen. Der SPD-Politiker hatte auf eine rasche Lösung gedrängt und davor gewarnt, "aus Angst vor der Entscheidung gar nicht zu entscheiden". Auch SPD-Chef Franz Müntefering warf der Union ein gefährliches Spiel mit Arbeitsplätzen vor. Kanzlerin Angela Merkel ließ eine Rettung von Opel dagegen weiter offen.

Seite 1:

Opelanern droht kräftige Lohneinbuße

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%