Autobauer sammelt Geld ein
VW bereitet Komplett-Übernahme von Scania vor

Um den Deal zu stemmen, braucht der Autobauer neue Milliarden: VW bereitet die Übernahme der Lkw-Tochter Scania vor, die die Wolfsburger schon zum Großteil kontrollieren. Institutionelle Anleger sollen es ermöglichen.
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FrankfurtVolkswagen will für die Komplettübernahme seiner Lkw-Tochter Scania bis zu zwei Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln. Der Wolfsburger Konzern kündigte am Dienstag nach Börsenschluss die Ausgabe von neuen Vorzugspapieren an. Ein Konsortium aus den Großbanken Bofa Merril Lynch, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan Securities habe sich verpflichtet, die Papiere im Zuge eines beschleunigten Orderbuchverfahrens zu übernehmen und anschließend bei institutionellen Investoren zu platzieren. Dabei ist das Bezugsrecht der Altaktionäre ausgeschlossen.

Die Gesamtzahl der neuen Aktien und der Preis sollen nach dem Platzierungsverfahren festgelegt werden. Auf Basis des Schlusskurses der VW-Vorzugsaktie dürften etwa 10,2 Millionen Papiere ausgegeben werden. VW hatte den Scania-Eignern die Übernahme ihrer Anteilsscheine zum Preis von je 200 schwedische Kronen angeboten. Erst im zweiten Anlauf schaffte der Konzern die nötige 90-Prozent-Mehrheit, um die ungeliebten Minderheitsaktionäre aus dem schwedischen Traditionsunternehmen zu drängen. Zuletzt kontrollierte VW gut 98 Prozent von Scania.

Um den verbliebenen Anteilseignern mehr Zeit für die Annahme der Offerte zu geben, hatte VW abermals die Annahmefrist bis zum 5. Juni verlängert. Dieses Datum soll zugleich der letzte Handelstag sein, an dem das Papier des schwedischen Traditionskonzerns an der Börse gehandelt wird. Die Wolfsburger wollen eine schlagkräftige Allianz aus Scania und seiner zweiten Lkw-Tochter MAN schmieden, die es mit führenden Anbietern wie Daimler und Volvo aufnehmen kann. Dazu benötigen sie den vollen Durchgriff bei Scania. Dies ist nach schwedischem Recht erst ab 90 Prozent der Anteile möglich. Bei MAN reichten nach deutschen Aktienrecht gut 75 Prozent der Stimmrechte, um die Tochter zu beherrschen.

Volkswagen hatte den Scania-Minderheitsaktionären 200 schwedische Kronen je Aktie geboten. Die Komplettübernahme will sich Volkswagen rund 6,7 Milliarden Euro kosten lassen. Das Geld soll teils aus Barmitteln, der jetzt eingeleiteten Kapitalerhöhung sowie einer Hybridanleihe aufgebracht werden, durch die VW bereits drei Milliarden Euro eingesammelt hat.

Analysten hatten wiederholt kritisiert, dass VW Übernahmen auch durch Vorzugsaktien finanziert, obwohl der Konzern aus ihrer Sicht über genügend liquide Mittel verfügt. Ende März hatte der Konzern im Kerngeschäft 17,7 Milliarden Euro in der Kasse.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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