Autobranche
Audi-Manager stolpert über Macho-Sprüche

"Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe." Wer so einen Satz sagt, muss damit rechnen, als Macho durchzugehen. Unangenehm wird es dann, wenn so was einem Automanager herausrutscht. Vor allem wenn er noch weiter geht. So wie jetzt ein Manager von Audi.

STOCKHOLM. Der Vergleich einer Frau mit einem Auto hat den Verkaufschef von Audi Finnland, Esko Kiesi, den Job gekostet: Der Manager hatte in einem Interview in einer Sondernummer der finnischen Frauenzeitschrift "Anna" unter anderem behauptet, dass man die Eigenschaften eines Autos auch bei einer Frau finde. "Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe", so der der Audi-Manager.

Doch er ging noch weiter und erklärte, dass eine Frau ihre Form verliert, "wenn die Absätze unter sieben Zentimetern" seien. Auch zu der Beziehung zwischen Frau und Mann hatte Kiesi eine dezidierte Meinung: "Weigert sich eine Frau, zu bügeln und sauberzumachen, wird der Beziehung bald die Luft ausgehen".

Dass dann nach Kiesis Auffassung Frauen wegen ihrer zu starken Emotionalität nicht für Führungspositionen geeignet seien, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Am Donnerstag nahm Kiesi (zu deutsch übrigens: Karre) seinen Hut. "Meine undurchdachten Äußerungen und der Schaden, den ich angerichtet habe, tun mir leid", teilte Kiesi in einer Presseerklärung mit. Sein Hinweis, er habe doch alles ironisch gemeint, half ihm nicht mehr.

Ob sein Rücktritt ganz freiwillig oder mit Nachhelfen der obersten Spitze der VW-Tochter geschah, ist nicht bekannt. Pekka Lahti, Chef von VW-Auto erklärte nur, dass die Äußerungen von Kiesi dem Ansehen der Marke Audi geschadet haben. Die Äffäre hat in Finnland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Vor allem im Internet rasten Leserinnen und Leser gegen den "Chauvinismus" von Kiesi. Auch Kultusminister Stefan Wallin schaltete sich ein und kommentierte den Rücktritt. "Das zeigt, dass so etwas in Finnland nicht länger toleriert wird".

Es ist nicht das erste Mal in Finnland, dass Entscheidungsträger wegen Macho-Verhaltens ihren Job verlieren: Der frühere Außenminister Ilkka Kanerva musste zurücktreten, nachdem herauskam, dass er einer Striptease-Tänzerin mehrere hundert eindeutige SMS geschickt hatte. Auch der jetzige Regierungschef Matti Vanhanen geriet in die Schlagzeilen, da er mehrere Frauen über das Internet kontaktiert hatte und Affären mit ihnen begann.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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