Autobranche
Die Konkurrenz überholt Toyota

Der japanische Autoriese Toyota hat im ersten halben Jahr Verluste gemacht. Der Umsatz des Branchenprimus ist um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Allerdings hat Toyota die Prognose angehoben.
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TOKIO. Der japanische Autohersteller Toyota bleibt unprofitabel, während die Konkurrenz bereits in die schwarzen Zahlen zurückkehrt. Der Weltmarktführer konnte im zweiten Quartal zwar einen kleinen Gewinn vorweisen. „Doch das ging hauptsächlich auf Finanztranksaktionen zurück“, gab Vizechef Yoichiro Ichimaru gestern in Tokio bei Vorstellung der Halbjahreszahlen zu. Für das kommende zweite Halbjahr rechnet Toyota erneut mit mit einem Verlust. Damit ist klar, dass das einstige Branchenvorbild ein zweites Jahr in Folge in den roten Zahlen bleibt.

Es gehört zur Unternehmenskultur bei Toyota, mit einer hohen Trägheitsmasse an Entscheidungen und Strategien festzuhalten – und auch nach einem Nachfrageinbruch kein Personal zu entlassen und keine Fabriken zu schließen. Die kleinere Konkurrenz hat dagegen schneller auf die Krise reagiert und zuvor weniger Überkapazitäten aufgebaut – und erholt sich nun schneller. Toyota sehe derzeit ein kleines bisschen weniger attraktiv aus als Honda oder Nissan, sagte Analyst Koichi Ogawa von Daiwa SB Investment im Hinblick auf den unterschiedlichen Erfolg der Sparprogramme. Im kommenden Jahr müsse Toyota die Kosten konsequent drücken, um in die schwarzen Zahlen zurückzukehren – schließlich sehe es bisher nicht so aus, als ob 2010 ein besseres Autojahr werde als 2009.

Honda hatte vergangene Woche seinen Ausblick aufs Gesamtjahr angehoben – und wegern eines verbesserten Absatzes auch einen Halbjahresgewinn erzielt. Das Unternehmen nannte radikale Kostensenkungen als Grund für den Erfolg. Am Mittwoch erst hatte Nissan seine Gewinnvorhersage fürs Gesamtjahr von Verlust auf Gewinn gedreht und erwartet nun eine runde Mrd. Euro Überschuss im Krisenjahr 2009. „Unsere Gewinnsituation ist ganz klar auf Erholungskurs“, sagte Nissans operativer Chef Toshiyuki Shiga. Das Unternehmen hatte radikal an allem gespart: Überstunden, Investitionen, Lagerhaltung und Personalkosten.

Nissan baute schon an Beginn der Krise 20 000 Stellen ab und hielt seine Mitarbeiter auf allen Ebenen an der kurzen Leine. Da Nissan jedoch zugleich im Wachstumsmarkt China beliebte Kleinwagenmodelle auf dem Markt bringen konnte, stieg dort der Absatz klar an. Für die Schwellenländer plant Nissan ein Auto für unter 7500 Euro. Das Unternehmen plant generell, seine Modelle künftig gezielt in den Märkten anzubieten, in denen sie am meisten gefragt sind. Das macht das Geschäft einfacher und übersichtlicher – und kostengünstiger. Auch der Kleinwagenhersteller Suzuki legte trotz Krise einen Gewinn von rund 100 Mio. Euro vor.

Doch zuletzt hat auch der große Bruder Toyota angefangen, mit dem Sparen ernst zu machen. Dazu gehört nicht nur der Rückzug aus der Formel 1, sondern auch eine typisch japanische Form des Personaleinsatzes: Das Unternehmen schickt 900 Uniabsolventen an die Fließbänder, an denen das Erfolgsauto Prius hergestellt wird. Die Mitarbeiter hatten sich Managementjobs im weißen Kragen gefreut, jetzt springen sie ein, wo sonst zusätzliche Vertragsarbeiter angeheuert werden müssten. Die Marge ist wegen des laufenden Kostensenkungsprogramms bereits deutlich gestiegen. Zudem konzentriert sich Toyota stärker auf den letzten verbliebenen Hoffnungsmarkt China und eröffnet dort ein Forschungszentrum.

Da die japanischen Hersteller bei Vorlage ihrer Jahresbilanzen im Mai extrem vorsichtig waren, können sie nun durch die Bank ihre Vorhersagen nach oben korrigieren. Toyota halbierte nun seine Verlustvorhersage fürs Gesamtjahr auf 200 Mrd. Yen – doch das bedeutet immer noch ein Minus von 1,5 Mrd Euro. Ein Thema wurde zuletzt bei allen japanischen Autoherstellern laut: Was machen wir im Jahr nach den Abwrackprämien? Auch die japanische Regierung hatte den einheimischen Markt mit allerlei Geschenken gestützt, genauso wie die USA und europäische Staaten. Doch das Ende der Anreizprogramme sei erwartet und eingeplant, beruhigte Toyota. Im Gesamtjahr erwartet Toyota einen Absatz von 7,03 Mio. Autos. Im Mai lag der Ausblick noch bei 6,6 Mio. Einheiten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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