Autobranche
Finanzinvestor drückt bei Opel aufs Tempo

Finanzinvestoren äußern sich üblicherweise sehr selten. Wenn sie sich mitten in einem Verhandlungsprozess dann auch noch freiwillig an die Medien wenden, ist es umso bemerkenswerter. RHJ hat dies heute getan: die Verhandlungen mit GM um Opel seien „weit fortschritten“. Das setzt den Bieter-Konkurrenten Magna nun noch mehr unter Druck.

FRANKFURT/BERLIN. Im Bieterwettbewerb um Opel sucht der Finanzinvestor RHJ International die Entscheidung. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen will das Unternehmen bereits bis Ende der Woche mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors ein fertiges Vertragswerk ausgehandelt haben. „Die Verhandlungen laufen seit einigen Wochen und befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium“, sagte ein Sprecher von RHJ und bestätigte damit erstmals die Gespräche. RHJ strebt eine Mehrheit von 51 Prozent an Opel an, heißt es. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bekräftigte, es gebe keine Vorfestlegung bis Ende des Verfahrens.

Aus den vier Bundesländern mit Opel-Standorten und vom Betriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers kommen allerdings Vorbehalte gegen einen Einstieg des Finanzinvestors. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sowie Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) äußerten große Skepsis. Auch Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz wandte sich gestern in einer Mitteilung an die Mitarbeiter gegen RHJ. „RHJ ist ein Finanzinvestor, der Opel so schnell wie möglich wieder an GM verkaufen wird und im Interesse von GM handelt“, kritisierte der Betriebsrat.

Der Ripplewood-Ableger RHJ will seine Konkurrenten mit einem verbesserten Angebot aus dem Feld schlagen. Alle Opel-Standorte sollen nun erhalten werden, hieß es aus Kreisen. Ursprünglich sollte das Bochumer Werk geschlossen und die Fabrik in Eisenach verkauft werden. Der Opel-Treuhand liegt das Papier bisher nicht vor.

Das Konsortium um den Autozulieferer Magna, das lange als sicherer Sieger gehandelt worden war, muss damit in der Endphase noch um den Zuschlag zittern. GM hatte sich Ende Mai zwar grundsätzlich mit Magna auf einen Opel-Verkauf verständigt, das Papier ist aber nicht bindend. GM verhandelt deshalb weiter auch mit anderen Interessenten. Neben RHJ hat auch der chinesische Autobauer BAIC jüngst eine neue Offerte für Opel vorgelegt. GM strebt eine Einigung noch im Juli an.

RHJ International stößt auch mit seinem überarbeiteten Angebot für Opel auf Widerstand in Politik und Belegschaft. In den vier Bundesländern mit Opel-Standorten gibt es Vorbehalte gegen einen Einstieg des Finanzinvestors bei dem angeschlagenen Autobauer. „Wir sind alle der Auffassung, dass ein strategischer Investor aus der Autobranche die bessere Lösung ist“, sagte Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU). RHJ strebt nach Informationen aus Verhandlungskreisen an, bereits bis Ende der Woche mit General Motors (GM) ein ausgehandeltes Vertragspapier abzuschließen. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenen Stadium, bestätigte ein Sprecher gestern lediglich erstmals die Verhandlungen.

GM-Boss Fritz Henderson hatte Ende vergangener Woche eine Einigung mit einem Investor noch in diesem Monat als Ziel genannt. Neben RHJ soll dem GM-Board aber auch eine Offerte von Magna vorgelegt werden, hieß es in Konzernkreisen. Noch seien in den Verhandlungen mit dem Zulieferer aber nicht alle Hürden ausgeräumt, hieß es.

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