Autobranche
Ford bevorzugt Geely als Volvo-Käufer

Im Bieterrennen um den Erwerb der Automarke Volvo hat ein Konsortium um den chinesischen Autobauer Geely die besten Karten. Der bisherige Volvo-Eigner Ford hat sich festegelegt.
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STOCKHOLM. Der Verkauf der angeschlagenen Ford-Tochter Volvo ist in eine entscheidende Phase gerückt: Nach monatelangen Spekulationen bestätigte der US-Auto-Konzern Ford gestern, dass der chinesische Konkurrent Geely der „bevorzugte Bieter“ für die Übernahme des schwedischen PKW-Herstellers ist. Von jetzt an würden konkrete Verkaufsverhandlungen mit dem chinesischen Autobauer geführt werden, sagte ein Ford-Sprecher. Gleichwohl betonte er, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei. Auch über den Preis und einen Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit dem chinesischen Konzern wollte Ford nichts sagen.

Der US-Konzern hatte im vergangenen Dezember seine Volvo-Verkaufsabsichten bekanntgegeben. Nach der Volvo-Übernahme durch Ford 1999 für rund 4,4 Mrd. Euro fuhr der schwedische PKW-Bauer zunächst auf der Überholspur, rutschte aber in den vergangenen Jahren immer tiefer in die Verlustzone. Nach Fords Verkaufsankündigung wurde immer wieder über ein mögliches Interesse von Geely an der schwedischen Premium-Marke spekuliert. „Geely besitzt das Potenzial, ein verantwortungsvoller künftiger Besitzer von Volvo zu sein“, begründete Fords Finanzchef Lewis Brooth die Entscheidung, mit den Chinesen über den Verkauf konkret zu verhandeln.

Analysten bewerten die schwedische US-Tochter derzeit auf rund zwei Mrd. Euro. Neben Geely haben ein schwedisches und ein amerikanisches Konsortium Interesse an einer Volvo-Übernahme bekundet. Das schwedische Konsortium Jacob kündigte gestern an, trotz der Ford-Entscheidung in Kürze ein eigenes Angebot zu präsentieren.

Mit dem Votum von Ford für Geely ist der Verkauf der schwedischen Marke zwar einen Schritt weitergekommen, doch noch stehen schwierige Verhandlungen bevor. Vor allem kann die komplette Integration von Volvo in den Ford-Konzern ein Problem werden. Bei einem Verkauf an Geely würde Ford auch wichtiges Know How nach China überführen. Das hatte in den vergangenen Monaten vor allem bei Zulieferern zu Protesten geführt. Sie fürchten, dass neueste Technik möglicherweise in China kopiert werden könnte. „Für die Zulieferer bedeutet eine Volvo-Übernahme durch Geely ein Risiko und eine Chance zugleich“, sagte Svenåke Berglie, Chef des Zulieferers Fordonskomponentgruppen.

Anders Fogel, Geely-Repräsentant in Schweden, versicherte gestern, dass der chinesische Konzern bei einer Volvo-Übernahme den Unternehmenssitz in Göteborg belassen wolle. „Geely wird Volvo als ein sehr selbstständiges Unternehmen führen“, erklärte er. Er betonte auch, dass die Finanzierung einer eventuellen Volvo-Übernahme gesichert sei. Geely hat staatliche Bankgarantien, und diese Woche stieg ein von der Investmentbank Goldman Sachs geführter Fonds mit umgerechnet rund 221 Mio. Euro bei dem chinesischen Autobauer ein.

Hauptaktionär von Geely ist der Unternehmensgründer Li Shufu. Er hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass sein Unternehmen gern einen europäischen Autohersteller übernehmen wolle. Der chinesische Konzern produziert rund 250 000 Wagen im Jahr und hat außerhalb Chinas Produktionsstätten in Russland, der Ukraine und Indonesien.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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