Autobranche
Ford profitiert prächtig von Abwrackprämie

Vermutlich hat das Wort Abwrackprämie längst Einzug in die englische und französische Sprache gefunden, so häufig wird es auf dem Genfer Autosalon genannt. Der Erfolg der Maßnahme hat sich in den Verkaufszahlen niedergeschlagen. Fords Deutschland-Chef Bernhard Mattes würde es gerne sehen, wenn die Zahlung der Abwrackprämie ausgeweitet wird.

MARK CHRISTIAN SCHNEIDER | GENF

Fords Deutschland-Chef Bernhard Mattes fordert die Bundesregierung zu einer Verlängerung der Umweltprämie von 2 500 Euro beim Kauf eines Neuwagens und gleichzeitiger Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Autos auf. "Ich bin überzeugt, dass die Umweltprämie verlängert werden sollte", sagte Mattes dem Handelsblatt. "Diese Maßnahme ist sehr fruchtbar, indem sie die Nachfrage stabilisiert."

Autohersteller gewinnen vor allem im Kleinwagensegment durch die staatliche Förderung neue Käufer dazu, die bislang gebrauchte Fahrzeuge gekauft haben. "Wir müssen den Nachfrageeffekt in den nächsten Wochen genau beobachten. Sollte der Kaufstimulus aber nicht ausreichen, befürworte ich eine Verlängerung", sagte der

Die Tochter des angeschlagenen US-Autokonzerns konnte im Februar den zweiten Monat in Folge Marktanteil und Volumen in Deutschland steigern. Mattes zufolge lag der Marktanteil vorläufigen Zahlen nach bei 7,5 Prozent, im Februar 2008 waren es 5,7 Prozent. Der Absatz stieg demnach im Februar auf 20 841 Stück, im Vorjahresmonat waren es 13 115 Autos. "Angesichts der schwierigen Umstände war das für uns ein guter Start ins Jahr", findet der Automanager.

Die besonders von der Abwrackprämie getriebene Nachfrage nach dem Kleinwagen Fiesta hat für das erste Halbjahr bereits geplante Kurzarbeitstage im Werk Köln obsolet gemacht. Dort wird der Fiesta hergestellt. "In Köln müssen wir zurzeit keine Kurzarbeit anmelden", sagte Mattes. Anders sieht es am Standort Saarlouis aus, wo unter anderem der Kompaktwagen Focus montiert wird. "In Saarlouis nehmen wir Schichten heraus und haben im ersten Halbjahr Kurzarbeit beantragt", bestätigte Mattes.

Dank strikter Kostenkontrolle und einer vernünftiger Modellpolitik schreibt Ford Europa seit 2006 wieder deutlich schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr lag der Vorsteuergewinn das erste Mal seit fast 20 Jahren wieder über einer Mrd. Dollar. "Ähnlich wie bei Opel wird die Zukunft von Ford in Deutschland und Europa jedoch sehr stark vom Schicksal des Mutterkonzerns in Amerika bestimmt", sagt Stefan Bratzel, Autoprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. "Dort wird sich mit entscheiden, ob die notwendigen Investitionen in neue Technologien vor dem Hintergrund fortwährenden Cashverzehrs getätigt werden können."

Fords Europa-Chef John Fleming ist sich des möglichen Herüberschwappens der finanziellen Probleme der US-Mutter bewusst. "Wir machen uns schon Sorgen. Wenn ein Teil des Konzerns ein Problem hat, haben alle eins", sagte Fleming dem Handelsblatt. Einer Herauslösung des Europageschäftes wie im Fall von General Motors (GM) und Tochter Opel angedacht, lehnt Fleming jedoch ab. "Ford Europa ist nicht unabhängig und will das auch unter keinen Umständen sein", sagt er.

Fleming will an seiner Strategie profitablen Wachstums festhalten. "Man kann in diesen Zeiten nicht einfach sein Geschäftsmodell über den Haufen schmeißen. Was wir aktuell erleben, ist abnormal. Normale Zeiten werden wieder zurückkehren."

Die Krise bietet aber auch Chancen. Fords schwedische Premiumtochter Volvo, die immer wieder als Verkaufskandidat gehandelt wird, profitiert teilweise vom Aus des Lokalrivalen Saab, dessen Insolvenz GM als Besitzer nicht verhindern will. "Saabs Schicksal ist traurig", sagte Volvo-Chef Stephen Odell. "Zumindest kurzfristig ergeben sich für uns aber zusätzliche Verkaufsmöglichkeiten."

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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