Autobranche
General Motors lässt Saturn fallen

Die Rettung der US-Automarke Saturn ist gescheitert. Der amerikanische Autohändler Roger Penske wird die Tochter von General Motors (GM) nicht übernehmen. Für Saturn hat das bittere Konsequenzen. Saturn steht vor dem Aus. Das könnte das Ende von 13 000 Arbeitsplätzen bedeuten.

NEW YORK. Saturn, die amerikanische Schwestermarke des deutschen Autoherstellers Opel, wird überraschend geschlossen. Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) teilte am Dienstag nach Börsenschluss mit, dass ein geplanter Verkauf an den US-Autohändler Roger Penske (u.a. Smart) gescheitert sei und die Produktion von Saturn mit dem Ende des laufenden Modelljahres eingestellt werde. Im Juni hatte GM noch verkündet, dass mit dem Übergang auf den neuen Eigentümer Penske 13 000 Arbeitsplätze und 350 Händlerfirmen gerettet würden.

Drei Monate später ist das Aus der 1985 gegründeten US-Marke besiegelt. GM hatte den Anbieter von Klein- und Mittelklassewagen ins Leben gerufen, um die aufstrebende japanische Konkurrenz in Schach zu halten. Die Operation misslang allerdings gründlich. Saturn verkaufte in seinem besten Jahr 1994 gerade mal 286.000 Autos. Im laufenden Jahr liegen die Absätze mit 58 Prozent im Minus, obwohl der Trend zu kleineren Autos einem Hersteller wie Saturn entgegenkommen müsste. Die Nachricht vom plötzlichen Tod erwischte dennoch alle Saturn-Mitarbeiter sowie Investoren auf dem falschen Fuß.

Er sei überrascht, "dass es keinen Plan B gibt", sagte Stephen Spivey, Auto-Analyst von Frost & Sullivan. Der in den USA hoch angesehene Unternehmer und Ex-Rennfahrer Penske verwies in einer Mitteilung darauf, dass sich Vereinbarungen mit einem ausländischen Autokonzern zum Bau von Saturn-Autos ab 2011 zerschlagen hätten. Offenbar hatte Renault Samsung Motors, eine koreanische Tochter des französischen Renault-Konzerns, zunächst in Aussicht gestellt, Saturn nach dem Auslauf der GM-Produktion 2010 mit einer Serie von Klein- und Mittelklassewagen zu versorgen. Der Rückzieher im Verwaltungsrat des mutmaßlichen Lieferanten Renault veranlasste Penske dazu, den Rettungs-Deal mit GM platzen zu lassen.

Die "Risiken und Unsicherheiten" würden es nicht länger zulassen, die Transaktion (Saturn) weiter zu verfolgen, teilte Penske mit. GM-Konzernchef Fritz Henderson bezeichnete die Nachricht als "sehr enttäuschend". Man wolle jetzt sicherstellen, dass Kunden von Saturn ein reibungsloser Übergang zu GM-Händlern gewährleistet würde. Die eigenständig operierenden Händlerbetriebe von Saturn sollen ein Jahr Zeit bis zur Geschäftsschließung bekommen.

Die jüngsten Nachrichten aus Detroit werfen ein Schlaglicht auf die Großbaustellen des staatlich gestützten Weltkonzerns, insbesondere im Heimatmarkt USA. Saturn ist nur eine von vier Automarken, von denen sich GM in den nächsten Monaten trennen will. Auch die seit Jahren erfolglose Sportwagenschmiede Pontiac soll Ende des Jahres eingestellt, die Geländewagen-Marke Hummer nach China verkauft und Saab ins Heimatland Schweden entlassen werden. Zudem ist die Trennung der europäischen Saturn-Schwestermarke Opel/Vauxhall nach einem monatelangen Tauziehen mit der deutschen Regierung beschlossene Sache: Eine Investorengruppe um die russische Sberbank und den Zulieferer Magna soll bald eine Mehrheit an Opel übernehmen, sobald letzte Unklarheiten mit den Vertragsparteien beseitigt sind. Der kurz vor Toresschluss abgeblasene Saturn-Deal zeigt jedoch, dass die Tinte unter den Verträgen erst trocken sein muss, ehe die angestrebte Trennung von GM und Opel wirklich besiegelt ist.

Nach Verlusten von insgesamt 88 Mrd. Dollar seit 2005 begab sich GM Anfang Juni in ein staatlich kontrolliertes Konkursverfahren, das bereits nach 40 Tagen abgeschlossen wurde. Der neue GM-Konzern hat sich von milliardenschweren Altlasten befreit und befindet sich nach Überweisung von mehr als 50 Mrd. Dollar aus den Kassen des Steuerzahlers vorübergehend in Staatsbesitz. Die ganze Konzentration des größten US-Autoherstellers soll sich künftig auf die beiden Kernmarken Chevrolet und Cadillac richten. Daneben verbleiben von den bisher acht Marken nur noch der vor allem in China erfolgreiche Hersteller Buick sowie der Lastwagen-Anbieter GMAC.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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