Autobranche
„Jaguar-Kunden macht die Krise weniger aus“

Die Abwrackprämie hat dem Autoabsatz in Deutschland zweifellos auf die Beine geholfen. Die Hersteller von teuren Fahrzeugen hilft das allerdings wenig. Jaguar gibt sich dennoch optimistisch. Ein Interview mit Jaguar Deutschland-Chef Jeffrey Scott.

Herr Scott, die Autoindustrie steckt in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten. Wie schlägt sich Jaguar und Land Rover dabei?

Besser als viele Konkurrenten, aber auch wir sind gegen die Krise nicht immun. Allerdings ist ein Teil unserer Klientel weniger abhängig von der konjunkturellen Entwicklung als bei anderen Herstellern. Vielen Zahnärzten, Selbstständigen, solventen Privatiers, die wir zu unseren Kunden zählen, macht die derzeitige Krise einfach nicht so viel aus, während mancher mittelständische Unternehmer, der sich zwar einen neuen Luxuswagen leisten könnte, es momentan mit Rücksicht auf seine Kunden und Mitarbeiter nicht für opportun halten könnte, mit einem teuren Wagen vorzufahren.

Glauben Sie, dass die massive Konsolidierung in der Branche auch das Luxussegment treffen wird?

Nein, ich denke nicht. Ich glaube, dass die Zahl der Hersteller und eigenständigen Marken in der automobilen Topliga sich nicht ändern wird. Dafür sind die Marken zu etabliert und die Fertigung so exklusiv, dass sich dafür immer ein elitärer Kundenkreis finden wird. Eine engere Zusammenarbeit auf Komponentenebene, wie wir sie bereits bei vielen Volumenherstellern sehen, erwarte ich allerdings in den nächsten Jahren auch zunehmend im Luxussegment. Anders sind auch dort die Milliardeninvestitionen in neue Antriebstechnologien nicht zu stemmen.

Auch der neue indische Eigentümer von Jaguar und Land Rover musste im zurückliegenden Quartal erstmals seit sieben Jahren einen Verlust ausweisen. Bekommt Jaguar und Land Rover das zu spüren?

Nein. Tata hat die beiden britischen Edelmarken von Anfang an als ein langfristiges Investment gesehen und geht auch weiter so an das Thema heran. Auch wenn Analysten auf kurzfristige Quartalszahlen schauen mögen, ist dies nicht die Perspektive unseres neuen Eigentümers.

Nimmt Tata mehr Einfluss als Vorbesitzer Ford?

Ganz im Gegenteil. Ich kann Ihnen versichern, dass die Inder uns eigenständig arbeiten lassen. Ford hatte über 100 Jahre Automobilerfahrung und ein langes Know - how, auch im Premiumsegment - Tata hat das nicht. Deshalb setzt der indische Konzern sein Vertrauen auf die Manager von Jaguar und Land Rover und lässt uns die Chance, eine eigenständige Unternehmenskultur zu entwickeln. Niemand bei Tata will aus Jaguar und Land Rover ein indisches Unternehmen machen. Wir sind zutiefst britisch - und werden dies auch bleiben.

Tata will in vier Jahren mit seinem Billigauto Nano auch auf dem europäischen Markt vorfahren. Kann Tata dafür auf das Vertriebsnetz von Jaguar und Land Rover zurückgreifen?

Nein, die Marken werden vollständig getrennt bleiben. Sie müssen sehen, dass Tata ein global agierender Konzern mit 89 Marken unter seinem Dach ist, zu dem unter anderem Luxushotels, ein Stahlkonzern und ein britisches Teehaus namens Tetlea-Tea zählen - trotzdem werden wir auch in Zukunft keinen Tee in unseren Autohäusern verkaufen.

Wo wollen Sie Jaguar und Land Rover denn in Zukunft positionieren?

Wir wollen wieder stärker in Richtung Luxus gehen und weg von Premium. Schon mit der nächsten Oberklassenlimousine XJ, die im Herbst kommt, werden wir mit Jaguar einen weiteren Schritt in Richtung Luxus unternehmen. Die Zeit, wo wir uns hauptsächlich an Premiumherstellern wie Mercedes oder BMW gemessen haben, ist vorbei. Wir wollen nicht mehr der Kleine unter den Großen sein , sondern streben an, in Zukunft eher der Große unter den Kleinen zu sein.

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