Autobranche
Schwarzer Tag für Audi

Noch könnte es den klassischen Meisterkorso des FC Bayern durch die Münchener Innenstadt geben. Audi würde das als großer Sponsor des Rekordmeisters natürlich gern sehen. Stattdessen fährt Jürgen Klinsmann gedemütigt vom Hof. Keine gute Werbung. Und auch die aktuellen Quartalszahlen belegen, dass Audi der Krise nicht entkommen kann.

MÜNCHEN. Nach Jahren der Sonderkonjunktur bricht nun auch bei der VW-Tochter Audi das Geschäft ein. Der Umsatz lag im ersten Quartal mit 6,7 Mrd. Euro knapp zwanzig Prozent unter Vorjahr, der Gewinn brach um 30 Prozent auf 363 Mio. Euro ein. „Wir bleiben zuversichtlich, auch im Jahr 2009 ein signifikant positives Ergebnis einzufahren“, sagte Finanzchef Axel Strotbek am Montag.

Damit steht Audi immer noch besser da als die Rivalen Daimler und BMW, die beide in den vergangenen Monaten Umsatzeinbrüche von rund 25 Prozent verkraften mussten. Während BMW bereits im vierten Quartal tief in die roten Zahlen gefahren ist, dürfte Konkurrent Daimler am heutigen Dienstag eine finstere Bilanz für die ersten drei Monate 2009 ziehen. Konzernchef Dieter Zetsche will zudem ein neues Sparprogramm auflegen, die Kurzarbeit könnte massiv ausgebaut werden. Davon ist in den Audi-Stammwerken Neckarsulm und Ingolstadt keine Rede. Beide Werke haben im ersten Quartal jeweils zwei Wochen die Produktion gedrosselt. „Weitere Maßnahmen sind aber vorerst nicht geplant“, sagte ein Audi-Sprecher dem Handelsblatt. 2009 rechnet Audi mit einem Absatzminus von nicht mehr als zehn Prozent.

Die VW-Tochter zieht ihren relativen Optimismus aus mehreren Quellen. Anders als beispielsweise BMW ist der Hauptexportmarkt nicht die USA, sondern China. Dort wächst seit März der Absatz wieder und kompensiert einen Teil der Einbrüche in Europa. Zum anderen hat Audi im Brot- und Buttergeschäft A4 und A6 einen Modellwechsel hinter sich, den BMW in seiner 3er- und 5er-Reihe noch vor sich hat. Mit dem Q5 haben die Ingolstädter zudem einen frischen, kompakten Geländewagen neu im Markt, der eine weitere Lücke in der Modellpalette schließt.

Wie bei der Konkurrenz bleiben auch bei Audi die großen Autos stehen: Die Verkaufszahlen des Spitzenmodells A8 halbierten sich ebenso wie der Absatz des Geländewagens Q7. Am unteren Ende der Modellpalette profitierten hingegen die Einstiegsmodelle A3 und A3 Sportback von der Abwrackprämie.

Audi hat sich zum Ziel gesetzt, die Konkurrenten Mercedes und BMW bis zum Jahr 2015 in den wichtigsten Kategorien hinter sich zu lassen. Im vergangenen Jahr legte man anders als die Wettbewerber mit vier Prozent noch einmal leicht zu und verkaufte erstmals mehr als eine Million Autos. Mit über 1,4 Millionen Autos liegt BMW aber immer noch an der Spitze.

Mehr denn je spielt Audi die Kraft seiner Mutter VW aus. Im kommenden Jahr will der Hersteller mit dem A1 einen sportlichen Kleinwagen bringen, der den Mini von BMW angreifen soll. Die wichtigsten Teile stammen vom Massenmodell Polo. Die spanische VW-Tochter Seat übernimmt die Fertigung des neuen Geländewagens Q3, der den geplanten X1 von BMW kontern soll.

Auch mit dem neuen VW-Großaktionär Porsche sind die Ingolstädter im Geschäft. Porsche bezieht seit Anfang des Jahres Dieselmotoren von Audi für seinen Geländewagen Cayenne und lastet damit die eigene Produktion besser aus. Weitere Kooperationen seien vorstellbar, heißt es in Ingolstadt.

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