Autobranche
Toyota sucht einen neuen Heiland

Nur noch einen Schritt ist der Autobauer Toyota von Schmach und Schande entfernt - dieses harte Urteil hat Akio Toyoda über sein eigenes Unternehmen gefällt. Det Toyota-Chef ist mit der Leistung des weltgrößten Autoherstellers mehr als unzufrieden. Dabei gibt es dafür trotz diverser Pannen eigentlich keinen Grund. Das sieht Akio Toyoda etwas anders.

TOKIO. Der Chef des weltgrößten Autoherstellers Toyota sieht sein Unternehmen nur einen Schritt von "Schmach und Schande" entfernt. "Wir befinden uns in der Phase, wo wir uns an einen Erlöser klammern. Ich kann Ihnen aber klar sagen, dass ich dieser Erlöser nicht sein werde", sagte Akio Toyoda bei einer Rede in Tokio. Wie bitte? Kein Konkurrent verkauft mehr Fahrzeuge, keiner hat mehr Patente für die kommenden Umwelttechniken. Volkswagen setzt es sich ehrfürchtig zum Ziel, den japanischen Branchenführer eines Tages einzuholen - und er selbst versinkt in Selbstmitleid?

Nicht ganz. Bei Toyota hat die Liebe zur Krise eine lange Tradition. Schon die Gründer des Unternehmens warnten Anfang des vorigen Jahrhunderts vor Selbstzufriedenheit. Ihr Unternehmen bringe am meisten, wenn es in Schwierigkeiten stecke - deshalb sei es nicht schlecht, ständig etwas Krisenstimmung zu verbreiten. Tatsächlich schöpfte das Unternehmen insbesondere nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg und mitten in der Ölkrise ungeahnte Kräfte.

Selbst im Boomjahr 2007 sprach der damalige Firmenchef Katsuaki Watanabe besorgt von den vielen Problemen und der "nahezu krisenhaften Lage" des Unternehmens. Jetzt, in der richtigen Krise, kann der neue Firmenchef aus dem Vollen schöpfen und hemmungslos ins Katastrophenszenario eintauchen.

Toyoda zitierte eine Theorie des Wirtschaftswissenschaftlers Jim Collins. Dazufolge sollen für Toyota folgende Phasen vorangegangen sein: 1. Selbstzufriedenheit wegen großem Erfolg, 2. Uferlose Expansion, 3. Ignorieren von Risiken und Gefahren. Derzeit befinde sich Toyota in einer Phase vier, wo es nach einem Heiland suche. Danach kommen nur noch Kapitulation, Zusammenbrach und Schande.

Das ganze Manöver hat etwas mit japanischer Vorsicht bei der Selbstdarstellung zu tun. In Nippon ragt keiner gerne als Klassenbester heraus. Wer mehr kann als die andere, nutzt es, aber zeigt es nicht. Der Primus muss ganz besonders vorsichtig agieren. "Ein Nagel, der hervorsteht, wird eingeschlagen", lautet eine oft gehörte Redensart.

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