Autobranche
Volkswagen will Autoindustrie dominieren

Selten hat eine Hauptversammlung von Volkswagen soviel Wirbel erzeugt wie heute. Die Aktionäre müssen sich in Hamburg mit vielen Gerüchten auseinandersetzen: Porsche habe Geldprobleme und soll nun von Volkswagen selbst übernommen werden. Branchenkenner schütteln darüber nur mit dem Kopf. Auch deshalb, weil VW-Chef Winterkorn die Allianz mit Porsche in höchsten Tönen lobt.

HB HAMBURG. Volkswagen will die Autobranche in den kommenden Jahren zusammen mit seinem Haupteigner Porsche dominieren. "Gemeinsam haben wir das Zeug, das Kraftzentrum der internationalen Automobilindustrie zu bilden", sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstag vor den Aktionären in Hamburg.

Die Allianz mit dem Stuttgarter Sportwagenbauer habe enormes Potenzial - technisch wie wirtschaftlich. VW und Porsche seien in den vergangenen Monaten zusammengewachsen. "Und ich bin mir sicher, dass wir unsere Partnerschaft im laufenden schwierigen Autojahr 2009 weiter vorantreiben können und werden", betonte Winterkorn.

Porsche hält knapp 51 Prozent an VW und will auf 75 Prozent aufstocken, sobald dies die wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. Allerdings steht der Sportwagenbauer wegen einer hohen Schuldenlast von neun Mrd. Euro unter erheblichem Druck seiner Kreditgeber. Deswegen wird spekuliert, VW könne das Automobilgeschäft von Porsche übernehmen, um dann unter Wolfsburger Führung einen Autokonzern zu schmieden, der neben Scania auch MAN kontrolliert.

Wiedekings Aussagen machen die Gerüchte unwahrscheinlich, dass Volkswagen den Spieß umdrehen will. Das schreibt die Financial Times Deutschland. "Finanzvorstand Pötsch rechnet", zitiert die Zeitung einen Insider. Ein VW-Sprecher lehnte einen Kommentar ab gegenüber der Zeitung ab.

Porsche hat die Marktgerüchte dementiert: "Das halte ich für Quatsch", sagte Porsche-Sprecher Anton Hunger am Donnerstag in Stuttgart. "Mir ist das nicht bekannt", fügte er hinzu. "Wenn das so wäre, hätten wir eine Adhoc-Mitteilung veröffentlichen müssen, da andere Aktionäre betroffen wären", sagte Hunger. Eine solche Börsen-Pflichtmitteilung sei auch nicht in Vorbereitung.

Branchenexperten glauben ohnehin nicht an diese Variante: Uwe Treckmann, Autoanalyst bei der Dresdner Bank, sagt: "Wolfgang Porsche würde das nicht tun. Warum sollte er? Ich halte das für eine reine Spekulation mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit." Der Übernahmeplan hätte nur dann eine Chance, wenn die Porsche-Eigentümerfamilien und Piech dahinterstehen. Laut zweier Medienmeldungen hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking das Vertrauen der Familien verloren und steht vor der Ablösung.

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