Autohersteller
Was Ford stolz macht

Im harten Wettbewerb der Autobauer fährt Ford eine sehr erfolgreiche Strategie: Der Schuldenberg wurde stark reduziert, der Umsatz ist gestiegen. Auf der Automesse in Detroit protzt der Konzern mit vielen neue Modellen.
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New York/DetroitFeine Holzwände, alte Lederbände in der Bibliothek, Ohrensessel vor dem Kaminfeuer – in den Detroiter Athletic Club geht man, wenn man es geschafft hat. Genau der richtige Ort für Lewis Booth: Bei Salat mit gerösteten Walnüssen und in Madeira-Wein gebratenen Rindfleisch-Tournedos plaudert der Ford-Finanzvorstand über das gute Geschäft und über Kunden, die zu Ford-Händlern sagen: „Ihr habt kein Geld von uns genommen.“ Gemeint ist: Als einziger der Big Three brauchte Ford in der Finanzkrise keine Hilfe vom Staat. Das habe die Marke gestärkt, Vertrauen bei den Mitarbeitern, Lieferanten und Managern geschaffen. „Wir sind stolz“, sagt Booth.

Die Saat brachte Ford in der Krise aus, jetzt wird die Ernte eingefahren. Auf der Detroiter Automesse präsentierte Ford mit der neuen Limousine Fusion – in Europa als Mondeo verkauft – oder dem MKZ Lincoln deutlich mehr Modelle als beispielsweise GM. Mit dem Angebot kann Ford auf Preisnachlässe verzichten, höhere Gewinne einfahren und Marktanteile erobern.

Der enorme Schuldenberg schrumpfte von mehr als 34 Milliarden Dollar 2009 auf derzeit knapp 13 Milliarden Dollar und soll 2015 auf zehn Milliarden Dollar sinken. Damit kann es sich Ford nach langer Zeit wieder leisten, eine Dividende zu zahlen. „Das Unternehmen ist auf der Gewinnerseite“, sagt Jeremy Anwyl, Vice Chairman vom Branchendienst Edmunds.com.

Aber große Töne spuckt man bei Ford nicht. Der Wettbewerb ist harsch. Das Erdbeben in Japan im Frühjahr 2011 brachte Toyota ins Schleudern. Jetzt läuft die Produktion wieder rund, der japanische Autohersteller geht in die Offensive. Andere ausländische Anbieter wie Volkswagen oder Honda erzielen im US-Markt beeindruckende Zuwächse.

Dazu hängt das wichtige Europa-Geschäft in den Seilen. „Wir haben ein stilles Selbstbewusstsein“, umschreibt Mark Fields, Amerika-Chef von Ford, die Stimmung. „In den schlechten Zeiten haben wir unsere Investitionen hochgefahren“, sagt Vorstandschef Alan Mulally am Rande der Detroiter Automesse. „Das zahlt sich jetzt in der Wirtschaftserholung aus.“

Das neue Selbstbewusstsein kann man sich auf der Messe anschauen. Dort drehen sich zwei gigantische „Himmelssphären“ des angesagten Künstlers Chuck Hoberman über dem völlig in Weiß gehaltenen Stand von Lincoln, der doppelt so groß ist wie im Vorjahr. Wenn man bedenkt, dass die Luxustochter von Ford miserable Umsätze erzielt und der Altersdurchschnitt der Kundschaft bei 65 Jahre liegt, ist der Auftritt mehr als gewagt. Freimütig gibt Amerika-Chef Fields zu, über eine Schließung der Marke nachgedacht zu haben. Stattdessen geht er jetzt in die Offensive, vor allem gegen die deutsche Konkurrenz. 2011 verkauften BMW und Mercedes in den USA so viele Autos im Luxussegment wie kein anderer Hersteller.

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