Autoindustrie
„Jeder fünfte Zulieferer ist insolvenzgefährdet“

2008 war das Jahr der Lehman-Pleite, 2009 weitete sich die Krise über die Finanzbranche hinaus aus - und traf die Autoindustrie besonders hart. Gelitten haben nicht nur die Autobauer, sondern auch deren Zulieferer. Etliche von ihnen sind auf der Strecke geblieben. Und im kommenden Jahr wird sich die Spreu noch stärker vom Weizen trennen.
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DÜSSELDORF. Die öffentliche Wahrnehmung geprägt haben in diesem Jahr der Zulieferer Continental und dessen neuer Großaktionär Schaeffler, die sich mit gewaltigen Refinanzierungsschwierigkeiten konfrontiert sahen. Zusätzliche Unruhe stiftete das Gezerre um die Führung des Unternehmens aus Hannover, das allein im dritten Quartal eine Mrd. Euro Verlust machte. Schließlich wurde Karl-Thomas Neumann an der Spitze von Elmar Degenhart abgelöst. Aufsichtsratschef ist neuerdings Wolfgang Reitzle.

Neben Deutschlands Nummer zwei war es auch für den weltweiten Branchenführer Bosch alles andere als ein glänzendes Jahr. Er erwartet für 2009 einen Milliardenverlust und rechnet in der Autosparte mit einem Umsatzeinbruch von 20 Prozent. Der Getriebe- und Antriebsspezialist ZF Friedrichshafen, die deutsche Nummer drei, stellt sich sogar auf Umsatzeinbußen von 25 Prozent ein. Nach einem Gewinn von 434 Mio. Euro im Vorjahr rechnet der Konzern nun mit einem fast ebenso hohen Verlust.

Den Kleinen wurde zwar weniger Aufmerksamkeit als den Großen zuteil, das heißt aber nicht, dass es ihnen besser ergangen wäre - im Gegenteil: Fünf Prozent der deutschen Zulieferer mussten Oliver Wyman zufolge 2009 Insolvenz anmelden, rund 50 Fälle hat die Unternehmensberatung bis Ende November gezählt. Creditreform prognostiziert sogar 90 Insolvenzen von Zulieferern und anderen Betrieben der Autobranche bis zum Jahresende. Das sind gut vier mal so viel wie im Vorjahr - und das trotz Abwrackprämie, die den Autoherstellern in Deutschland zu einer Steigerung des Absatzes um knapp ein Viertel verhalf. Damit ist die Branche trotz staatlicher Milliardenhilfen stärker unter die Räder gekommen als alle anderen Wirtschaftsbereiche. Der prominenteste Fall war wohl der Osnabrücker Cabriospezialist Karmann, der teilweise von Volkswagen übernommen wurde.

Die Zulieferer insgesamt konnten die Umsatzrückgänge im zweiten Halbjahr nach Einbußen von durchschnittlich zwischen 30 und 40 Prozent und vereinzelt sogar bis zu 70 Prozent in den ersten sechs Monaten immerhin so stark bremsen, dass Lars Stolz, Autozulieferer und Partner-Experte bei Oliver Wyman, für das Gesamtjahr mit einem Minus zwischen 20 und 30 Prozent rechnet.

Für 2010 erwartet er einen leichten Rückgang der Insolvenzen bei den großen und mittelständischen Unternehmen, schränkt aber ein: "Unter schlechten Bedingungen könnte die Zahl durchaus noch einmal steigen." Auf die Krise hat die Branche jedenfalls reagiert. "Fast alle haben im ersten Halbjahr massiv eingegriffen und Personal- sowie Sachkosten sehr kurzfristig gesenkt." Nachdem sich die Unternehmen von Zeitarbeitern und befristeten Kräften getrennt hatten, stellten sie im zweiten Halbjahr auf Sanierungspläne um und schlossen in deren Zuge Werke und bereinigten teilweise ihr Portfolio, so Stolz.

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  • @Peter

    "Ohje. Da steht uns ja ein Jahr bevor!"

    Ein Jahr ?

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