Autokartell-Verdacht
VW beruft Aufseher zur Krisensitzung ein

Nach dem Vorwurf eines möglichen Autokartells ruft Volkswagen außerplanmäßig seine Aufsichtsräte zusammen. Die Sitzung ist für Mittwoch angesetzt. Die Staatsanwaltschaft prüft eine Ausweitung ihrer Ermittlungen.
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WolfsburgUnter dem Druck der Kartellvorwürfe trommelt Volkswagen als erster betroffener Hersteller den Aufsichtsrat zusammen. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch habe das 20-köpfige Gremium für Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, sagte ein Sprecher am Montag. Dabei werde es um die am Wochenende bekanntgewordenen Vorwürfe illegaler Absprachen von VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW in der Fahrzeugentwicklung gehen, sagte ein Insider.

Die EU-Kommission hatte einen Bericht des „Spiegel“ bestätigt, wonach sie dem Verdacht solcher Absprachen nachgeht. An der Börse gingen Autoaktien zu Wochenbeginn auf breiter Front auf Talfahrt: VW, Daimler und BMW waren mit Abstand die größten Verlierer im Dax.

Laut dem Magazin, das sich auf einen Schriftsatz von Volkswagen beruft, sollen sich Vertreter der Unternehmen seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig in Arbeitskreisen getroffen haben, um sich über die Technik ihrer Fahrzeuge sowie über Kosten, Zulieferer, Märkte und Strategien abzusprechen. Dabei soll es auch um die Abgasreinigung mit dem Zusatz von AdBlue und um die Größe der dafür nötigen Tanks gegangen sein. Letztlich sei damit auch die Basis für die Dieselmanipulation gelegt worden, unter deren Folgen die Hersteller derzeit ächzen.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies eines der größten Kartelle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Experten rechnen mit milliardenschweren Strafen und befürchten einen weiteren Image-Schaden für die deutsche Autoindustrie, in der mehr als 800.000 Menschen arbeiten.

Die Wettbewerbshüter haben nach eigenem Bekunden sehr wohl etwas gegen die Unternehmen in der Hand: Sowohl dem Bundeskartellamt als auch der EU-Kommission liegen Informationen „zu möglichen Absprachen im technischen Bereich zwischen deutschen Autoherstellern“ vor, wie das Bundeskartellamt mitteilte.

Die Bundesregierung erklärte, die Kartellvorwürfe sollten auch Thema des Diesel-Gipfels Anfang August sein. Dann will die Branche über Wege zur Reduzierung der hohen Stickstoffbelastung beraten, um Fahrverbote in Städten zu verhindern. Mit dem Ergebnis der Beratungen steht oder fällt nach Einschätzung von Experten die Zukunft des in Verruf geratenen Diesel-Motors.

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  • Na ja - wenn der jeweilige Aufsichtsrat nichts wusste - dann ist er eben von den Vorständen belogen und betrogen worden.

    Beste Voraussetzungen also, um die Hafpflichtversicherungen der Vorstandsmitglieder in Anspruch zu nehmen.

    Demzufolge wären aich keine Steuermittel für eine wie auch immer geartete "Rettung" zu versenken.

  • So langsam stellt sich die Frage, was der Aufsichtsrat in diesem Unternehmen überhaupt weiß bzw. tut. Mit Aufsicht hat das jedenfalls alles nichts zu tun. Und das doch alles angeblich schon seit Piechs Zeiten läuft, hat sogar ziemlich lange Zeit der Aufsichtsratsvorsitzende ganz genau Bescheid gewusst.

    Jedenfalls ist es sehr interessant, dass in diesem Unternehmen offenabr jeder schalten und walten kann, wie er gerade lustig ist. Der eine entwickelt eine Betrugs-Software, der andere verfasst eine milliardenschwere Selbstanzeige usw. usw. Und der Aufsichtsrat ist regelmäßig überrascht, was sich da eigentlich wirklich so alles vor seiner Nase abspielt... Schon ein echtes Musterbeispiel für deutsche Corporate Governance.

  • Wird spannend, wie da die Vorstände glaubhaft machen wollen, dass sie da oben nix gewusst haben. Denn das ist die eigentliche Kunst. Auf mittlere Mangementebenen verschieben und dort dann ein paar Köpfe rollen lassen um Aktionismus zu zeigen.

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