Autokonzern bewertet Dieselmotoren-Tochter jetzt mit 1,7 Milliarden Euro
Daimler schraubt Preis für MTU hoch

Der Autokonzern Daimler-Chrysler hat im Bietergefecht um die Tochtergesellschaft MTU Friedrichshafen die Messlatte für die Investoren deutlich höher gelegt. Nach Informationen aus Finanzkreisen bewertet der Autokonzern seine Tochtergesellschaft mit rund 1,7 Mrd. Euro. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber wollte die Zahl nicht bestätigen.

HB STUTTGART. „Neben dem Preis spielt auch das Konzept des neuen Investors bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle“, betonte Uebber gegenüber dem Handelsblatt. Da MTU im Paket mit der Daimler-Tochter Detroit Diesel verkauft wird, dürfte Daimler einen Gesamtverkaufspreis von knapp unter zwei Milliarden Euro anpeilen.

Daimler schraubt damit die Erwartungen an den Verkaufserlös stark in die Höhe. Bisher waren Branchenkenner lediglich davon ausgegangen, dass MTU Friedrichshafen und weitere Teile des Daimler-Geschäftsbereichs Off-Highway für mehr als eine Milliarde Euro an einen Finanzinvestor verkauft werden sollen.

MTU stellt unter anderem Dieselmotoren für die Marine her und hat im vergangenen Jahr 1,35 Mrd. Euro umgesetzt. Zum Verkauf stehen zudem die konsolidierten und nicht-konsolidierten Einheiten von MTU. Dazu gehören auch andere so genannte Off-Highway-Aktivitäten von Daimler wie die US-Tochter Detroit Diesel mit zusätzlich mehr als 400 Mill. Euro Umsatz. Im Bereich Off-Highway sind Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Motoren und Antriebssystemen für die Anwendungsbereiche Schiff, Energiesysteme sowie Industrie einschließlich Bahn und militärischer Fahrzeuge zusammengefasst.

Zurzeit sind noch drei Interessenten im Rennen. Erst kürzlich war der Technologiekonzern MAN aus dem Bieterkreis für MTU ausgeschieden. Nach Angaben von Daimler hatten andere Investoren ein besseres Angebot vorgelegt. Dazu zählen nach Informationen aus Finanzkreisen neben dem schwedischen Finanzinvestor EQT aus dem Wallenberg-Imperium auch die Finanzinvestoren CVC Capital Partners und Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Bereits vor zwei Jahren hatte KKR den Triebwerkshersteller MTU Aero Engines für knapp 1,5 Mrd. Euro von Daimler-Chrysler übernommen. Die Bundesregierung hatte jedoch noch kurz vor der Wahl das Außenwirtschaftsgesetz verschärft, um ihren Einfluss bei dem Verkauf eines im Rüstungsgeschäft tätigen Unternehmens wie MTU Friedrichshafen auszuweiten.

Der Bund könnte den Verkauf an einen ausländischen Investor mit einem Veto stoppen. Vorbehalte der Politik fürchtet Daimler-Chrysler allerdings nicht. „Wir sondieren natürlich auch diesen Punkt in Gesprächen mit der Bundesregierung. Aus unserer Sicht befinden sich unter den Interessenten aber nicht nur Finanzinvestoren, sondern auch ein strategischer Interessent.“

Im Gegensatz zu CVC und KKR wird EQT in Stuttgart laut Unternehmenskreisen als strategischer Investor betrachtet. Die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg ist unter anderem am schwedischen LKW-Bauer Scania beteiligt. Nach monatelangem Gezerre mit den Familiengesellschaftern von MTU will Daimler die Tochter möglichst noch in diesem Jahr veräußern. „Wir sehen uns auch zeitlich nicht unter Druck“, relativierte Uebber. Ein qualitativ hochwertiger Abschluss habe Priorität.

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