Autokrise
Autokrise macht Sashimi aus Toyotas Bank

Die Flecken auf der weißen Weste von Toyota werden immer mehr. Nun hat die weltweite Absatzkrise offenbar auch die Finanzsparte des Branchenprimus in Bedrängnis gebracht. Grund: Im Zuge der Wirtschaftskrise können viele Kunden ihre Autokredite nicht mehr bezahlen. Jetzt peilt Toyota für seine Finanztochter Staatshilfe an.

TOKIO. Der japanische Autohersteller Toyota spricht mit einer staatlichen Förderbank über Finanzhilfe. Toyota Financial Services, eine hundertprozentige Konzerntochter, will eventuell bei der Japan Bank for International Cooperation (JBIC) um einen Kredit nachsuchen, sagte am Dienstag ein Sprecher in Tokio. Hintergrund ist die schwere Lage der Toyota-Finanztochter auf dem amerikanischen Markt. Viele Kunden zahlen dort ihre Kredite nicht zurück. Zugleich wird es für Unternehmen aller Branchen schwer, sich in den USA mit Kapital zu versorgen. Im vergangenen Oktober erst hatte sich Toyota als einer der letzten Anbieter auf dem US-Markt entschlossen, eine Null-Prozent-Finanzierung anzubieten.

Die Größe des erhofften Kredits gab Toyota noch nicht bekannt. Der TV-Sender NHK berichtet, im Gespräch seien 200 Mrd. Yen (1,6 Mrd. Euro). Das Geld würde nicht dem Autogeschäft, sondern ausschließlich der Finanzsparte zugute kommen. Analysten halten den Schritt für völlig gerechtfertigt, zumal die Konkurrenz weltweit von Staatshilfen profitiert - sowohl in der Finanz- als auch in der Autowelt. „Toyota sollte alles nutzen, was sich bietet“, sagte Hitoshi Yamamoto von Fortis Asset Management in Tokio. „Auf den Kapitalmärkten ist derzeit kein Geld zu bekommen.“

Der Mutterkonzern, die Toyota Motor Corporation (TMC), verfügt nach einhelliger Meinung über reichliche Reserven, um auch eine längere Krise ohne Hilfe von außen zu überstehen. Im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März) rechnet das Unternehmen zwar mit einem Verlust von rund drei Mrd. Euro. Dem stehen jedoch gut gefüllte Kassen mit geschätzten 15 Mrd. Euro an verfügbaren Mitteln gegenüber. Dass Toyota es auf den hohen Verlust ankommen lässt, liegt eher an der Unternehmenskultur. Ein dickes Minus verbreitet erwünschte Krisenstimmung und macht harte Einsparungen möglich. Außerdem wird es der Verlust dem künftigen Toyota-Chef leichter machen, in seinem ersten Jahr eine Besserung vorzuweisen. Ab Juni wird mit Akio Toyoda wieder ein Mitglied der Gründerfamilie das Unternehmen führen.

Der Konzern steht derzeit von mehreren Seiten unter Druck. Wegen der hohen Nachfrage in den vergangenen Jahren hat Toyota Kapazitäten für den Bau von zehn Mill. Autos pro Jahr aufgebaut, wird davon jedoch vermutlich nur sechs Mill. brauchen. Fast ebenso sehr belastet der Anstieg der japanischen Währung Yen das Unternehmen. Jeder Kursanstieg um einen Yen kostet Toyota rund 40 Mrd. Yen (knapp 325 Mio. Euro) an Gewinn. Seit Sommer ist die Devise gegen den Dollar um 13 Yen gestiegen.

Die japanische Regierung reagiert auf die Finanzierungsschwierigkeiten ihrer Großkonzerne, indem sie ihren Schatz an Devisenreserven anzapft. Japan verfügt über eine runde Billion Dollar, die zu einem guten Teil in US-Staatsanleihen angelegt sind. Davon will sie ein Zweihundertstel, fünf Mrd. Dollar, über die JBIC für Unternehmen in Geldnot zur Verfügung stellen. „Es handelt sich um eine außergewöhnliche und zeitlich begrenzte Maßnahme, um Firmen mit dringend benötigten Mitteln zu versorgen“, sagte Finanzminister Kaoru Yosano am Dienstag in Tokio.

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