Autokrise
Japan: Lieber Sushi statt Auto

So schlimm war es noch nie um den japanischen Automarkt bestellt. Seit 28 Jahren wurden nicht mehr so wenige Autos verkauft wie im vergangenen Jahr. Japans Autoindustrie durchlebt eine beispiellose Krise. Ein Grund: Für viele Japaner stellt das Auto kein Statussymbol mehr dar, das man sich leisten muss.

fbr/HB DÜSSELDORF. Ein 28-Jahres-Tief, das steht für die japanische Autoindustrie am Ende des Jahres 2008. Egal ob normale Pkws, die in Japan sehr populären K-Cars (Mini-Autos mit sehr niedrigem Hubraum), Geländewagen oder die ebenfalls eigentlich stets stark nachgefragten Großraumlimousinen: nichts, aber auch wirklich gar nichts, verkaufte sich gut. Im Schnitt sackte der Autoabsatz im Jahr 2008 laut dem Japanischen Autohändlerverband um fünf Prozent auf 5,08 Millionen Fahrzeuge ab. 2007 waren es noch 5,35 Millionen gewesen. Im Dezember lag der Absatz gar 22,3 Prozent unter dem Vorjahresmonat – was für ein Abrutsch.

Die Folgen sind schon seit Wochen deutlich spürbar, die schlechten Nachrichten aus der japanischen Autoindustrie überschlagen sich regelrecht. Der japanische Autobauer Toyota etwa reagiert mit weiteren Produktionskürzungen und geringeren Bonuszahlungen für tausende Manager auf die Absatzkrise im Automarkt. Toyota werde die Produktion an drei Fließbändern seines Werks in zentraljapanischen Tahara am Ende des Monats für zwei Tage stoppen und damit knapp 5 000 Autos der Luxusmarke Lexus weniger bauen. Das hatte der Konzern Anfang Dezember mitgeteilt.

Auch Honda schockierte Experten mit schlechten Nachrichten, die diese so nicht vom sechstgrößten Autohersteller der Welt erwartet hätten. Honda, Nummer zwei in Japan und sonst bekannt für glänzende Absatzzahlen aus den USA, hat das Jahresziel für den operativen Gewinn um 62 Prozent auf 180 Milliarden Yen gesenkt. Das ist weniger als ein Drittel der 600 Milliarden Yen aus dem Vorjahr. Folge: Die dritte Gewinnwarung in gerade einmal fünf Monaten. Und: "Jeden Tag werden die Probleme, vor die wir gestellt werden, schlimmer und schlimmer. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass es besser wird", sagte Honda-Präsident Takeo Fukui.

Auch der japanische Renault-Partner Nissan Motor hat seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr wegen des starken Yen und der stagnierenden Nachfrage in Europa und den USA mehr als halbiert. Der Konzern, an dem Renault zu 44 Prozent beteiligt ist, schätzt den Betriebsgewinn jetzt auf 270 Mrd. Yen statt zuvor 550 Mrd. Und Suzuki senkte seine Prognose für den Betriebsgewinn im Geschäftsjahr bis Ende März um 33 Prozent auf 100 Mrd. Yen (79 Mio. Euro). Beim Nettogewinn rechnet das Unternehmen nur noch mit 60 statt 80 Mrd. Yen. Damit gerät auch Suzuki, das wegen seines geringen Engagements im kriselnden US-Markt als einer der gesündesten Autobauer weltweit gilt, in den Abwärtssog von Kreditkrise und Wirtschaftsflaute.

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