Autokrise
Japans Automarkt auf 38-Jahres-Tief

Der japanische Automarkt bricht weiter ein. Seit dem Jahr 1971 wurden noch nie so wenig Neuwagen verkauft. Besonders hart trifft es den Branchenprimus Toyota. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Mehr noch: Manches Unternehmen rechnet mit einer tiefen strukturellen Krise - wie es sie noch nie zuvor in Japan gegeben hat. Die zieht nun auch Linienreedereien in den Abgrund.

HB TOKIO. Japan wird von der schwersten Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit erschüttert. Das bekommt besonders der Automarkt zu spüren. Konsequenz: Erstmals seit 1971 sind im abgelaufenen Geschäftsjahr weniger als drei Millionen Neuwagen verkauft worden. Wie der Verband der Automobilhändler bekanntgab, sank der Absatz von neuen Pkw - ausgenommen kleine Autos bis 600 Kubikzentimeter Hubraum - sowie Nutzfahrzeugen in den zwölf Monaten bis März um 15,6 Prozent zum Vorjahr auf rund 2,9 Millionen. So wenige Neuwagen sind in Japan seit 38 Jahren nicht verkauft worden.

Toyota hat im abgelaufenen Geschäftsjahr nach eigener Einschätzung erstmals seit Jahrzehnten rote Zahlen eingefahren. Dass selbst Japans erfolgsverwöhnter Vorzeigekonzern derart unter der Krise leidet, zeigt, wie hart es Japan getroffen hat.

Nach Einschätzung der OECD wird Japans Wirtschaft in diesem Jahr um 6,6 Prozent abstürzen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist wegen ihrer Exportabhängigkeit besonders heftig von der Krise betroffen. Die Ausfuhren brachen im Februar um fast 50 Prozent ein und damit so stark wie noch nie. Angesichts der Lage nahm die Industrie des Landes in den vergangenen Monaten drastische Einschnitte vor. Ganze Unternehmensbereiche wurden stillgelegt oder verlagert, Fabriken geschlossen und Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut.

"Die gegenwärtige Krise wird bis auf weiteres andauern", sagte der scheidende Toyota-Chef Katsuaki Watanabe vor 2400 Neulingen seines Unternehmens. Für schätzungsweise 820 000 junge Berufsanfänger in Japan begann am ersten Tag des Geschäftsjahres das Arbeitsleben in einer der wirtschaftlich schlimmsten Zeiten, die das Land je erlebt hat. "Einige von Ihnen mögen besorgt über Toyotas Zukunft sein. Doch der globale Automarkt hat noch immer mittel- und langfristig Wachstumspotenzial", sagte Watanabe.

Hintergrund ist aber nicht nur die Rezession. Ein weiterer Grund ist laut Branchenexperten, dass das Auto vor allem für jüngere Japaner seinen einstigen Reiz als Statussymbol verloren hat. Vor allem in Großstädten ist das eigene Auto für viele überflüssig geworden. Hinzu kommen finanzielle Belastungen durch Steuern sowie Parkplatz- und Autobahngebühren. Umso mehr sind die Autokonzerne auf das Auslandsgeschäft angewiesen, doch das leidet ebenso unter der heftigen Krise, von der die Autoindustrie am stärksten betroffen ist.

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