Automärkte
Osteuropa setzt zum Überholmanöver an

Europa bleibt ein attraktiver Standort für die Autoproduktion. Allerdings wächst die Branche vor allem in Osteuropa. Die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen im Billigsegment.
  • 2

DüsseldorfAls 2009 die Krise Europa überkam, kürzten die Manager in der Automobilbranche an allen Ecken und Enden. Europaweit brach die Produktion ein. Allein Frankreich fertigte fast 20 Prozent weniger Autos, in Großbritannien waren es sogar 33 Prozent. Nur drei europäische Länder trotzten der Krise: Rumänien, Tschechien, Slowenien. Mit neuen Billigautos machten die Osteuropäer die Not zur Tugend und wuchsen, während die anderen schrumpften. Eine Strategie, die bis heute Erfolg hat und das Kräfteverhältnis in Europa verändern könnte.

Westeuropa muss um die Vorherrschaft in der Autoproduktion bangen. Europa spaltet sich in Gewinner und Verlierer. In einer Studie hat das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach die Autoproduktion der europäischen Länder in den letzten zehn Jahren aufgeschlüsselt. Das Ergebnis: Deutschland ist das einzige Land Westeuropas, dessen Autoindustrie noch wächst. Länder wie Tschechien und Rumänien setzen zum Überholmanöver an - während Traditionsmärkte wie Frankreich, Italien und Spanien langsam an Bedeutung verlieren. Insgesamt ist die Autoproduktion in Europa von rund 18 Millionen auf 16,9 Millionen gesunken.

Die Wettbewerbsintensität unter den Herstellern ist erheblich gestiegen. Im abnehmenden Markt wird die Attraktivität des Produktionsstandortes immer wichtiger. Neben den niedrigen Kosten der Produktion, suchen die Hersteller auch nach flexiblen Strukturen wie gesetzliche Vorgaben - und weichen darum auf Osteuropa aus. In den neuen Märkten kann Europa seine Attraktivität als Produktionsstandort behaupten. Während der Absatz auf dem Heimatkontinent in den vergangenen zehn Jahren um zwanzig Prozent zurückgegangen ist, ist die Produktion nur um knapp fünf Prozent gesunken.

Allein Rumänien hat die Autoproduktion seit 2001 verfünfacht. Der Erfolg hat einen Namen: Dacia. Die Billigmarke des Renault-Konzerns war eigentlich nur ins Leben gerufen worden, um Niedrigpreis-Autos für den osteuropäischen Markt zu fertigen. Doch als immer mehr Re-Importe über Westeuropas Straßen rollten, wurde auch der westeuropäische Markt für die Rumänen geöffnet.

Innerhalb weniger Jahre ist Dacia zum einem der erfolgreichsten Autobauer in der Geschichte des Automobils aufgestiegen: Kein Hersteller konnte die Produktion in weniger als zehn Jahren von Null auf über 800.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Schon vor 2015 wollen die Rumänen weltweit mehr als eine Million Fahrzeuge bauen. Dem ersten Modell Logan folgte ein Kombi, ein Pick-up, ein Kleinwagen, ein SUV und ein Van.

Ein weiterer Wachstumsmotor des Europäischen Automarktes ist die Slowakei. Hier haben die koreanischen Schwesterunternehmen Hyundai und Kia ihre größten Produktionsstätten errichtet, um den Angriff auf den europäischen Automarkt zu starten. Im Wettrennen mit einem polnischen Standort um eine Investition von 870 Millionen Euro setzte sich das slowakische Zilna durch. Mit Start der Produktion im Jahr 2006 explodierte der Jahresausstoß des Landes zwei Jahre in Folge (2006: plus 65,9 Prozent, 2007: 85,7 Prozent). Mittlerweile produziert das Land dreimal so viele Autos wie noch 2001.

Seite 1:

Osteuropa setzt zum Überholmanöver an

Seite 2:

Deutschland kann sich behaupten

Kommentare zu " Automärkte: Osteuropa setzt zum Überholmanöver an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dass ich nicht lache! Glauben Sie im ernst die BMW's, Deimler's und Audi's die man in D kauft haben Qualität. Die Autos werden in Asien produziert und in D re-importiert, weil es billiger ist sie auf der anderen Ende der Welt zu produzieren und hierher verschiffen, als dass man sie in Bayern baut. Die deutschen Autobauer leben von ihren Namen, besonders in Amerika überholen Koreaner ununterbrochen Japaner und Deutsche. In der deutschen Sprache haben wir einen Ausdruck-Hochmut kommt vor dem Fall. Denken Sie darüber nach, bevor Sie sich über Skoda & Co. lustig machen. Es ist ein fataler Fehler zu glauben, die anderen 'können es nicht'!

  • Den Dreck kann kaufen wer will...Mit Qualität hat das garantiert nichts zu tun und das weiss man spätestens wenn man drin sitzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%