Automarkt
Autobranche fährt mit Vollgas in die Nebelwand

Noch können die deutschen Autobauer auf ein glänzendes Jahr 2011 zurückblicken. Doch für Jubelstimmung gibt es keinen Grund. Denn die Aussichten für das kommende Jahr sind mehr als ungewiss.
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Wenn sie nur auf dieses Jahr gucken, können die deutschen Autobauer den Sekt wohl getrost im Keller lassen - und lieber gleich die Champagnerflaschen hoch holen. Denn kurz vor Jahresschluss sieht es ganz danach aus, als ob 2011 das erfolgreichste Jahr aller Zeiten für die hiesige Autobranche werden könnte. „Das Autojahr 2011 wird ein Rekordjahr“, hatte jüngst der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann gesagt.

So werden die deutschen Autobauer wohl eine Reihe von Rekordmarken knacken: Der VDA rechnet etwa damit, dass in diesem Jahr mehr als 5,9 Millionen Pkw produziert werden könnten - so viele wie noch nie zuvor. Auch die Zahl der exportierten Autos erreicht mit mehr als 4,5 Millionen ein Rekordmaß. Die Umsätze der Branche sollen um 13 Prozent auf 358 Milliarden Euro zulegen. Das alles schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern dürfte laut VDA um 23.600 auf 730.000 steigen.

Und auch die jüngsten Nachrichten aus den USA und aus Deutschland lassen nicht vermuten, dass der Boom zu Ende gehen könnte. Der deutsche PKW-Markt etwa hat im November an Fahrt gewonnen. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind in diesem Jahr rund 3,2 Millionen neue Autos zugelassen worden. Das sind 9,1 Prozent mehr als in den ersten elf Monaten 2010. Und der wichtige US-Automarkt hat sich den sechsten Monat in Folge erholt. Alle großen Hersteller verbuchten ein deutliches Absatzplus - besonders die deutschen. Am stärksten legte die Daimler-Tochter Mercedes-Benz zu, die die Zahl der verkauften Autos um 55 Prozent auf 28.300 steigerte.

Also alles prima? Nichts ist prima. Der Champagner von heute könnte morgen schal schmecken. Denn die Aussichten fürs Autojahr 2011 sind düster. VDA-Präsident Wissmann weiß das. Nach Rekorden bei Produktion, Export und Umsatz erwartet die deutsche Autoindustrie für das kommende Jahr ein deutlich verhalteneres Wachstum. Die Branche erwarte „ein hartes Arbeitsjahr“ mit „mehr Gegenwind“, so Wissmann. Für 2012 sei er dann zuversichtlich, „wenn es gelingt, die Finanzmärkte zu stabilisieren“. Wissmann prognostizierte Autoverkäufe höchstens noch auf dem Niveau des laufenden Jahres. Wenn das denn überhaupt zu halten ist.

Denn in Westeuropa sind die Verkäufe neuer Pkw im Oktober bereits gesunken. Die Zahl sei im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent auf 980.600 gefallen, teilte der VDA unlängst mit. Deutschland (plus ein Prozent), Frankreich (plus zwei Prozent) und Großbritannien (plus drei Prozent) liegen zwar im Plus - aber entgegen einem negativen Trend. In Schuldenländern wie Italien und Spanien schlagen die Verbraucher schon seit Monaten einen großen Bogen um die Schauräume der Autohändler.

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  • Da sind einige Unterwegs die den Saettigungsmarkt in der BWL VWL verschlafen haben.
    Alle Zahlen deuten darauf hin. In Europa gehen die Zulassungen schon seit Jahren zurueck. Analysen sagen eine àelter werdende Gesellschaft hat andere Wuensche wie ein Auto. Zunehmend stellt man fest, dass gerade bei jungeren nicht das Auto an Erster Stelle steht.
    Irgendwann hat jeder Markt seinen Saettigungsgrad erreicht. Wieviel Jahre wurde nur nach China und Indien expotiert. Auch hier ist der Makrt irgendwann gesaettigt.
    In den USA ist bekannt, das die Menschen dort Geld ausgeben wollen, Sparqoute wie in D sehr gering. Die Amis gehen shopping machen und nicht sparen. Deshalb sind die Angaben ueber mehrverkaeufe in den USA eingentlich uninteressant.
    Wie jeder Markt wird auch der Automobilmarkt seinen Zenit ueberschreiten.
    Die Bemerkung von Nobody dazu ist korrekt. Sie muessen davon ausgehen, das mit einer bestimmten Zeitverzoegerung der Einbruch kommen wird.
    Sehen Sie die Pleite von ManRoland. Wieso geht diese Firma Pleite in einem Boom, Frage. Es hat auch vor Jahre Karmann erwischt.
    Der Club of Rome hat geschrieben das ab 2000 es weltweit nur noch fuenf Autohersteller geben wird, darunter wurde nicht Daimler Benz genannt.

  • das haben wir schon. machen Merkel so weietr mit dem Euro, dann werden die germans ihre Autos bald alleine fahrebn müssen... Nein ich habe vergessen ... Norkorea ist auch noch da !

  • Besonders in Deutschland bewegen sich die Automobilpreise in schwindelerregender Höhe. Es immernoch genug Menschen, die bereit sind ihr letztes Hemd für ein besonderes Modell zu geben. Überteuerte Kleinwagen oder besser gesagt Kleinstwagen a la Smart, Up oder Mini werden den deutschen Automobilbauern trotz spartanischer Ausstattung abgekauft. Klein ist ja logischerweise auch umweltfreundlich, wird suggeriert. Für entbehrten Luxus darf dann kräftig gelöhnt werden. Hauptsache die Auto-Zeitschriften bringen die deutschen Autos im Vergleichstest immer auf den ersten Platz. Dann läuft der Verkauf wie geschmiert. Nur eines haben die die superreichen Automobilbosse nicht bedacht. Die Löhne steigen nicht so schnell, wie die Auto-Preise. Mit der Branche muss es abwärts gehen. Zumindest in Deutschland und in Gesamt-Europa. Aber in China ist noch Wachstum machbar. Wenn der deutsche Markt ins Stocken kommt, rufen die Autokonzernbosse nach staatlichen Hilfen, wie z.B. die Abwrackprämie. Hat doch einmal geklappt. Klappt auch beim nächsten Mal.

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