Automarkt
Fiat: "Opel ist unser perfekter Partner"

Der italienische Autobauer Fiat ist nach seinem Einstieg beim insolventen US-Konzern Chrysler nun offenbar noch stärker daran interessiert, sich auch Opel zu sichern. Die Rüsselsheimer seien "unser perfekter Partner", sagt Fiat-Chef Sergio Marchionne. Experten glauben auch zu wissen, warum.

HB MAILAND/FRANKFURT. Nach dem Abkommen mit Chrysler macht Marchionne offen dem deutschen Autobauer Opel Avancen. "Nun müssen wir uns auf Opel konzentrieren. Sie sind unser perfekter Partner", sagte Marchionne der Zeitung "La Stampa" vom Freitag. Das Interesse der Italiener an der GM-Tochter hatte sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Ein Opel-Sprecher wollte sich zu Marchionnes Vorstoß nicht äußern. "Wir freuen uns über das Interesse von verschiedenen Seiten", sagte er lediglich.

In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa hatte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gemutmaßt, dass Fiat durch den Einstieg bei Chrysler noch stärker am deutschen Hersteller Opel interessiert sei. "Fiat wird jetzt aggressiv die Opel-Linie verfolgen, um an die 3,3 Milliarden Euro Staatsgeld heranzukommen und den Chrysler-Deal abzufedern", sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen. Die Bundesregierung müsse daher besonders sorgfältig prüfen, ob Fiat nicht übertriebene Zusagen mache, um den Zuschlag für Opel zu bekommen.

Neben Fiat hat auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna nach Medienberichten Interesse an Opel bekundet. Der sei der deutlich bessere Partner für Opel, ist Dudenhöffer überzeugt. Das österreichisch-kanadische Unternehmen sei vertrauenswürdig und hocheffizient und habe für Opel eine tragfähige Lösung. Mit der erwarteten Beteiligung russischer Magna-Partner wäre Opel unter anderem in einer besseren Position, um sich mit Russland einen Zukunftsmarkt zu erschließen.

Magna-Chef Frank Stronach hat allerdings den Berichten widersprochen, bei Opel einsteigen zu wollen. Man wolle lediglich helfen, sagte Stronach der in Graz erscheinenden "Kleinen Zeitung" und ließ offen, wie diese Hilfe aussehen könnte. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte vor ein paar Tagen, Fiat und Magna hätten sehr unterschiedliche Konzepte für einen Einstieg bei Opel vorgelegt.

Die Opel-Betriebsräte waren zuletzt in der Frage gespalten, ob Fiat der geeignete Partner für die Rüsselsheimer ist. So hatte etwa Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz vor erheblichen Einschnitten im Zuge eines Zusammengehens gewarnt. Am Donnerstag Abend betonte er im ZDF, Opel habe etliche Optionen: "Wir haben interessante Investoren, nicht nur die, die in den letzten Tagen in der Presse gehandelt wurden, sondern auch ganz andere." Er sei zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde. "Es gibt noch andere schöne Bräute, man schaut sich um."

Der deutsche Autobauer will sich mit seinen rund 25 000 Beschäftigten von der angeschlagenen Mutter General Motors lösen und sucht dafür händeringend einen Investor. Die Opel-Geschäfte wurden zuletzt nicht nur von der Abwrackprämie beflügelt, sondern auch vom neuen Mittelklasse-Modell "Insignia", das bei den Kunden gut ankommt. Insgesamt lägen dafür bereits über 100 000 Bestellungen vor, teilte Opel am Freitag mit. Wegen der hohen Nachfrage würden im Mai erneut drei Sonderschichten im Werk Rüsselsheim gefahren. Der Opel-Sprecher sprach von einem "tollen Signal in schwierigen Zeiten".

GM-Konkurrent Chrysler hatte am Donnerstag nach monatelangem Ringen Insolvenz angemeldet, Verhandlungen mit mehreren Gläubigern über ein neues Sanierungskonzept waren zuvor gescheitert. Zugleich besiegelte Chrysler ein Abkommen mit Fiat, wonach die Italiener zunächst einen 20-Prozent-Anteil an dem US-Hersteller erhalten. Chrysler will nun für einige Wochen unter Gläubigerschutz arbeiten und hofft dank der Allianz mit Fiat anschließend wieder auf bessere Zeiten.

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