Automesse IAA 2011
Der Fahrersitz soll zur Lounge werden

Die IAA ist Schauplatz des radikalen Wandels der PS-Branche. Neue Märkte, neue Spielregeln, neue Konzepte: Das Fahrzeug der Zukunft wird anders sein als heute. Mit einschneidenden Folgen für die Hersteller.

Frankfurt/HamburgDie Zukunft der Autoindustrie zeigt sich auf dem Sandboden von Masdar. In der Öko-Musterstadt von Abu Dhabi rollt kein Taxi. Stattdessen übernehmen elektrisch angetriebene Gondeln, die aussehen wie in einem Science-Fiction-Film aus den 60er-Jahren, den öffentlichen Transport. Noch sind die Gefährte langsam, auch fahren sie nur einige Hundert Meter weit. Bemerkenswert ist etwas ganz anderes: Sie haben weder einen Fahrersitz noch ein Lenkrad. Die Cyber-Taxis steuern per Autopiloten und ohne Eingreifen eines Fahrers ihre programmierte Strecke an.

Autowelt paradox: Ausgerechnet in einem Land, das auf riesigen Ölreserven sitzt und dessen Einwohner große und schwere Autos lieben, soll 2025 der Traum des emissionsfreien Fahrens verwirklicht werden.
Die Stadt in der Wüste setzt Zeichen für den radikalen Umbruch, in dem die Autoindustrie steckt. Auch die weltgrößte Branchenmesse, die IAA in Frankfurt markiert so deutlich wie nie zuvor den Wandel. Und das in einer Branche, die in Deutschland ein tragender Pfeiler der Industriestruktur ist.

"Grundsätzlich stehen wir vor einer der größten Herausforderungen", sagt Audis Vorstandschef Rupert Stadler im Interview mit dem Handelsblatt. Daimler-Boss Dieter Zetsche greift noch etwas höher: Es gehe um die zweite Erfindung des Automobils. Große Worte. Aber sie sind angebracht angesichts der Aufgabe, vor der die Manager stehen. "Die Mobilität der Zukunft wird bestimmt durch einen gnadenlosen Modernisierungswettlauf", sagt Stadler.

Kurz gefasst: Das Auto von morgen muss sehr leicht und sehr umweltfreundlich sein, darf nur wenig Energie verbrauchen und muss zugleich Teil der immer stärker vernetzten IT-Welt seines Fahrers sein. Dabei soll natürlich der Fahrspaß nicht untergehen. Ansprüche, denen heutige Modelle nicht im Entferntesten genügen.

Die grundsätzlichen Perspektiven für die Branche sind gut: Der absehbare Bevölkerungszuwachs, gerade in den Metropolen Asiens, führt zu mehr Nachfrage nach dem Konsumgut Auto. Zugleich steigt die Umweltbelastung massiv. Schon heute fahren knapp 920 Millionen Autos und Lastwagen weltweit umher. Bis 2050 sollen es nach Schätzung von Experten mindestens zwei Milliarden Fahrzeuge sein.

BMW-Boss Norbert Reithofer weiß, was die Stunde geschlagen hat. "In China dürfen Sie womöglich irgendwann mit normalen Autos nicht mehr in die Innenstädte fahren - oder Sie haben zumindest massive Privilegien für Elektrofahrzeuge", warnt er. "Darauf müssen wir uns vorbereiten."

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Wie ein geschliffener Würfel aus einer Zeitmaschine

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