Automobile Zweiklassen-Gesellschaft
Aus zwei Kranken wird kein Gesunder

Eine Kluft trennt die Autohersteller in Europa. VW, BMW und Daimler setzen Bestmarken, Opel und Peugeot fallen zurück. Für die Verlierer wird es sehr schwer, die Managementfehler der vergangenen Jahre zu korrigieren.
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GenfOpel-Boss Friedrich-Karl Stracke ist die Anstrengung der vergangenen Wochen anzusehen. Müde sitzt der 55-jährige Opel-Boss im klimatisierten Beratungszimmer des Autoherstellers auf dem Genfer Autosalon. Stracke übt sich in Zweckoptimismus über die frisch geschlossene Allianz zwischen dem Opel-Mutterkonzern General Motors mit dem französischen Autohersteller Peugeot-Citroën. Er sagt: „Die Partnerschaft birgt enorme Chancen für unsere beiden Unternehmen.“

Und er weiß: Die Opelaner und ihre britischen Kollegen von Vauxhall werden nicht an neuen Einschnitten vorbeikommen. Stracke: „Klar ist, dass aus zwei Kranken kein Gesunder wird. Jeder muss für sich seine Hausaufgaben machen.“

Die in Genf zelebrierte deutsch-französische Partnerschaft ist mehr als nur eine neue Großallianz in der Automobilindustrie. Sie ist ein klarer Beleg dafür, in welchen enormen Problemen diejenigen Kleinwagen stecken, deren Geschäft auf die Heimatregion fixiert ist.

Noch nie war die Kluft zwischen wirtschaftlich erfolgreichen Konzernen und schwächeren Konkurrenten so groß wie heute. Die anhaltende Schwäche des europäischen Automarkts macht den Klassenunterschied nur noch größer. VW, Daimler und BMW erreichten im vergangenen Jahr historische Bestmarken. Auch der Start ins neue Jahr verlief für die drei deutschen Hersteller gut - sie produzieren nahe der Kapazitätsgrenze.

Peugeot-Citroën und Opel hingegen müssen eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkünden. Opel machte 2011 einen Verlust von mehr als 700 Millionen Dollar. Peugeot-Citroën verlor in der zweiten Jahreshälfte im Autogeschäft 430 Millionen Euro. Beide Massenhersteller arbeiten an neuen Einschnitten. Warum gibt es diese Parallelwelten? Am Standort kann es nicht liegen. VW, BMW, Opel und Peugeot-Citroën (PSA) haben ihren Stammsitz in Westeuropa und viele Fabriken in ihren teuren Heimatländern.

Kommentare zu " Automobile Zweiklassen-Gesellschaft: Aus zwei Kranken wird kein Gesunder"

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  • Opel ist doch längst kein Autohersteller mehr. Opel ist ein Konzern-entwicklungsdienstleister, der per Abführungsvertrag um jeden Gewinn gebracht wird. Un dann wird auch noch ständig darüber berichtet, wie "marode" das unternehmen sei. Wer will dann schon ein Fahrzeug dieses Herstellers kaufen? Der Insignia ist klasse, der Meriva nicht unbedingt schön, aber super praktisch und der Zafira hat mit seiner Flexibilität Maßstäbe gesetzt...

  • Opel baut seit Jahren gute Autos, nur ist der Absatzmarkt in Europa dermaßen gesättigt, dass keine Abnehmer gefunden werden. GM muss Opel den Asiatischen Markt endlich öffnen und dann gehen die Verkaufszahlen in die Höhe. Seit paar Jahr hat Opel die Auszeichnung "Auto des Jahres" erhalten... Insiginia, Astra und jetzt Ampera. Die Manager von GM sollten sich mal paar Gedanken machen.

  • Und wieder war/ist das Management Schuld. Und haben die Herren etwas zu befürchten, außer zusätzliche Boni und Einkommenssteigerungen? habe ich die Meldungen über Ersatz/Haftung überlesen?

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