Automobilzulieferer
Bieter pokern um Siemens-VDO

Das Pokerspiel um den Automobilzulieferer VDO ist in vollem Gang. Nach Informationen aus Bieterkreisen bewegen sich die Angebote der beiden Kaufinteressenten TRW und Continental inzwischen auf 12 Mrd. Euro zu. Konzernchef Peter Löscher steht die erste Bewährungsprobe ins Haus.

MÜNCHEN. „Vielleicht sind wir da schon drüber“, hieß es. Conti-Chef Manfred Wennemer zeigt seit Monaten großes Interesse an einer Übernahme der Siemens-Zulieferersparte. Doch hatte Wennemer Preisen von 11 Mrd. Euro zunächst eine Absage erteilt.

Siemens favorisierte bisher einen Börsengang, die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Am Montag hatte sich Siemens-VDO vor den Konsortialbanken präsentiert. Dem Vernehmen nach sei dort ein Börsenwert für VDO von insgesamt gut acht Mrd. Euro errechnet worden.

Nach Informationen aus Industriekreisen ist der US-Konzern TRW, hinter dem der Finanzinvestor Blackstone steht, jedoch bereit, mehr als zwölf Mrd. Euro zu bieten. Bis zu diesem Freitag sollen verbindliche Angebote eingereicht werden. Am kommenden Mittwoch tagt der Siemens-Aufsichtsrat. Von der Sitzung wird eine Vorentscheidung erwartet. Im Umfeld der Bieter hieß es, bei einer derartigen Differenz zwischen potenziellem Börsenwert und direktem Verkaufspreis sei ein Börsengang „nicht mehr darstellbar“.

Für den neuen Siemens-Konzernchef Peter Löscher ist die Entscheidung über VDO die erste Bewährungsprobe. Noch Anfang vergangener Woche hatte Löscher vor dem Club Wirtschaftspresse München gesagt, er werde das Thema „sauber und ordentlich im Aufsichtsrat diskutieren“. Dabei gab Löscher zu erkennen, dass der „Wertgesichtspunkt“ eine wichtige Rolle spielen werde.

Dass Löscher den Teil-Börsengang weiterhin die bevorzugte Variante nannte, verstärkte den Eindruck, dass Siemens die Entscheidung so lange wie möglich offen halten will. „Wir wären dumm, uns jetzt festzulegen“, heißt es aus Konzernkreisen. Theoretisch könne man einen Börsengang auch in letzter Sekunde abblasen und bis dahin die Gebote in aller Ruhe abwarten und prüfen. Unicredit-Analyst Eberhard Pitz sieht in der VDO-Entscheidung einen Lackmustest für die Bereitschaft des neuen Chefs, sich auf die Kerngeschäftsfelder zu konzentrieren.

Offiziell gab sich der Konzern gestern gelassen: „Wir bereiten uns unter Hochdruck auf den Börsengang vor“, erklärte eine VDO-Sprecherin. Hinter den Kulissen aber mehren sich die Zeichen dafür, dass ein Verkauf näher rücken könnte.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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