Autos von Airbus
Kleinwagen aus dem 3D-Drucker

Bei Airbus stehen Produktion und Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand. Europas größter Flugzeugbauer beschreitet ungewöhnliche Wege, um sich zukunftssicher zu machen. Dazu gehört unter anderem ein Höhen-Weltrekord.

HannoverAirbus als Autoproduzent? Zumindest mit einer Beteiligung weitet der Konzern nun sein klassisches Geschäft aus. Im Heimatland des US-Erzrivalen Boeing hat sich Europas größter Flugzeugbauer gerade bei der Autoschmiede Local Motors eingekauft.

Das 2007 gegründete Unternehmen aus Phoenix im Bundesstaat Arizona hat nicht das Potenzial, Großkonzernen wie Volkswagen oder Toyota das Wasser abzugraben. Es hat aber ein Alleinstellungsmerkmal: In gerade einmal sechs Monaten hat die Firma nach eigenen Angaben mit Hilfe einer speziellen Software ein komplettes Auto entwickelt, das überwiegend durch einen 3D-Drucker gefertigt wird. Bis auf Schlüsselkomponenten wie den Motor wird der dieses Jahr auf den Markt kommende Kleinwagen namens LM3DSwim komplett per Drucker gefertigt.

Für Airbus bedeutet diese Beteiligung einen weiteren Schritt auf dem Weg in eine industrielle Zukunft, die im März und April bei der Computer-Messe CeBIT ebenso wie bei der anschließenden Hannover-Messe im Fokus stehen wird: die Industrie 4.0. Sie ermöglicht völlig neue Produktionsprozesse, die neben Geld auch Gewicht sparen helfen.

Gerade in der Luftfahrt, wo jedes Gramm Gewichtseinsparung bares Geld bedeutet, ist das entscheidend. Die neuen technischen Möglichkeiten bedeuten aber auch ein völliges Umdenken bei der Art und Weise, wie bisher produziert wurde.

Peter Sander, bei Airbus der Mann für die Zukunftstechnologien, sieht eine große Zukunft für den 3D-Druck - gibt aber zu bedenken: „Wir müssen die bisherigen Prozesse völlig neu überdenken.“ Bei einem Medienseminar in Hannover warnte er: „Wir kennen die Regelwerke ja noch gar nicht für die neuen Produktionsmethoden, das wird die größte Herausforderung überhaupt werden.“ Er ist überzeugt, dass die meisten Firmen in Deutschland den technologischen Umbruch noch nicht richtig erfasst haben. „Ich bin anfangs auch für verrückt erklärt worden mit meinen Plänen“, sagte Sander, „aber die haben mich machen lassen.“

Traditionelle Produktionsmethoden werden auf einmal infrage gestellt - es geht um das Kernthema, wie man anders arbeiten kann als bisher. „Das wird noch ganze Industrien umkrempeln“, ist Cathrine Kniep sicher, die Leiterin der landeseigenen Luftfahrt-Förderinitiative Niedersachsen Aviation.

Im niedersächsischen Varel hat der Airbus-Konzern mit dem industriellen Einsatz von 3D-Druckern in der Produktion eine neue Ära eingeläutet. Bisher hat er seine Bauteile komplett von Zulieferern bezogen, nun werden zunächst doppelwandige Benzinrohre aus Titan gedruckt. Das soll erst der Anfang sein.

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