Autoshow Detroit
Höher, schneller, durstiger

Auf dem amerikanischen Automarkt wird gekauft, was groß und kräftig ist. Bei der Autoshow in Detroit dominieren die spritfressenden SUVs und Pickups. Die Zukunft wird wegen der niedrigen Spritpreise vorerst vertagt.
  • 3

DetroitAutos, die wie von selbst fahren. Autos, die keinen Sprit mehr verbrauchen. Autos, die ihren Fahrer und seine Wünsche kennen. Die Zukunft der Automobilindustrie findet man in den USA nicht mehr in Detroit, sondern in Las Vegas. Auf der Technologiemesse CES zeigten die Hersteller zum Jahresbeginn, wie die Zukunft des Autos aussehen könnte. Hier präsentierte Daimler sein Forschungsmodell F 015, Audi ließ einen A7 über 900 Kilometer völlig autonom in die Wüstenstadt fahren, Toyota schwärmte vom Wasserstoff. Ein wenig Zukunft lag in der Luft.

Doch während man bei Google in Palo Alto am selbstfahrenden Auto bastelt und Tesla das Elektroauto der Zukunft entwirft, zeigt die größte amerikanische Automesse in Detroit, die am heutigen Montag startet, den unverstellten Blick auf die Modelle, die tatsächlich gekauft und nicht nur beworben werden. Und das sind vor allem die großen Spritfresser.

Nicht umsonst ist der Ford F-150 - ein 5,31 Meter langer Riesen Pickup - seit 33 Jahren das meistverkaufte Modell des Landes, obwohl das Modell auf 100 Kilometer satte 14 Liter Benzin wegschluckt. Zwar sind auch die Riesen durch den Einsatz von viel Aluminium etwas sparsamer geworden. Doch im Vergleich mit Europa, wo über strenge Grenzwerte für den CO2-Ausstoss diskutiert wird, spielen Umweltgesetzgebung und Verbrauch für den Autokauf in den USA kaum eine Rolle. Durch den Fracking-Boom sind die Ölpreise ohnehin im Keller. Eine Gallone Benzin (ungefähr 3,79 Liter) bekommt man an den US-Tankstellen für 2,20 Dollar. Umgerechnet kostet ein Liter Sprit in den USA darum 49 Cent. Da gibt es wenig gute Argumente, auf ein Elektroauto umzusteigen.

Zur größten Automesse des Landes setzt man bei Daimler darum auch auf ganz andere Premieren als in Las Vegas. Im Zentrum steht der GLE Coupé, ein wuchtiges SUV mit bis zu 585 PS und einem Verbrauch von 11,9 Litern auf 100 Kilometer, das den BMW X6 herausfordern soll. Sparsam ist an diesem Modell nichts. Das muss auch nicht sein. In Detroit regiert nicht die Nachhaltigkeit, sondern der Größenwahn.

Selbst Hersteller wie Nissan und Toyota, die in anderen Märkten für ihre besonders sparsamen Modelle bekannt sind, haben nach Detroit schwere Spritschlucker mitgebracht. Nissan präsentiert den neuen Titan. Ein Pickup, bei dem der Name Programm ist. Toyota legt den Tacoma neu auf. Gemeinsam mit dem Schwestermodell Tundra verkaufen die Japaner mehr als 270.000 Pickups in den USA.

Auch bei den deutschen Premiumautobauern setzt man auf PS und Größe. Audi zeigt den neuen Q7, den größten SUV, den der Hersteller zu bieten hat. Im Vergleich zum Vorgänger ist er fast 400 Kilo leichter geworden, wiegt aber immer noch rund zwei Tonnen. Immerhin: Am Verbrauch haben sie in Ingolstadt aber kräftig geschraubt. Der Benziner, der in den USA einen Großteil der Verkäufe ausmachen dürfte, kommt auf 7,7 Liter Normverbrauch. Ein Plug-In-Hybrid mit einem Verbrauch von 1,7 Litern auf 100 Kilometer soll folgen.

BMW präsentiert die neue 6er-Reihe. Selbst die kleine Tochter Mini hat den "John Cooper Works" mit nach Detroit gebracht. Ein Zwerg mit 231 PS.

Mit ihren Modellen schlagen sich die deutschen Premiumautobauer im US-Markt bestens. Gemeinsam haben Audi, BMW, Daimler und Porsche im abgelaufenen Jahr dort fast eine Million Fahrzeuge verkauft. Jedes zweite Premiumfahrzeug, das in den USA einen neuen Besitzer findet, kommt von einem deutschen Hersteller, zeigt eine neue Studie des CAR-Instituts der Uni Duisburg-Essen.

Seite 1:

Höher, schneller, durstiger

Seite 2:

VW schwächelt weiter

Kommentare zu " Autoshow Detroit: Höher, schneller, durstiger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mehr spritschluckende Pick Ups in den USA!

    Wir werden schon den Ausgleich von Angebot und Nachfrage beim Öl schaffen. Dann haben wir im Juli wieder 100 Dollar für das Fass Öl!

  • Dazu:

    Schon einmal ein Glasdach in der Produktion eingebaut ?

    ODER IN NACHARBEIT ein Glasdach ausgetauscht ?









  • Auf der Autoshow in Detroit regieren die spritfressenden SUVs und Pickups. Die Zukunft wird dank der niedrigen Spritpreise vorerst vertagt.

    ---------------------------------------------------------

    CO2 EINSPARUNGEN....WO ?

    Aber VW gibt noch einer drauf und macht auf seinen SUV

    einen Glasdach drauf...kostet das Auto mehr Geld...

    in der Anschaffung als auch beim TANKEN.









Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%