Autozulieferer
Banken räumen Schaeffler Atempause ein

Heute gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht für Schaeffler/Continental: Die gute, und weitaus wichtige, ist das Gerücht, dass die in finanzielle Bedrängnis geratene Schaeffler-Gruppe offenbar mehr Zeit für die Sanierung gewonnen hat. Continental droht dagegen in Frankreich der Gang vors Gericht.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Gläubigerbanken gewähren dem hochverschuldeten Schaeffler-Konzern eine Gnadenfrist. Für die kommenden Monate sicherten die Institute dem Autozulieferer eine Zwischenfinanzierung zu. Man hoffe, dann bis Mai eine große Lösung zu finden, erfuhr das Handelsblatt gestern aus Finanzkreisen. „Die Banken versuchen, Ruhe in die Situation zu bringen. Man hat kein Interesse an einer Adhoc-Lösung“, hieß es weiter.

In Industriekreisen wurde die grundsätzliche Einigung bestätigt. Schaeffler ist wegen der Übernahme des Konkurrenten Continental mit elf Mrd. Euro verschuldet.

Für Schaeffler war das nach schwierigen Wochen gestern nicht die einzige gute Nachricht. Das Landgericht Hannover stimmte der Bestellung des Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer in den Conti-Aufsichtsrat zu. Ex-DWS-Chef Christian Strenger hatte wegen möglicher Interessenkonflikte Beschwerde gegen die Berufung eingelegt. Das Landgericht räumte ein, man sehe „eine mögliche gravierende Pflichtenkollision“.

Der Interessenkonflikt sei aber mit Hilfe der Investorenvereinbarung von Conti und Schaeffler beherrschbar. Ein Schaeffler-Sprecher sagte, man rechne nun damit, dass Koerfer wie geplant zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werde. Der kommissarische Chefaufseher Werner Bischoff bereitet dafür nach eigenen Angaben eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats vor. Ein Termin stehe aber noch nicht fest.

Schaeffler arbeitet derzeit an einem Sanierungskonzept, das Voraussetzung für mögliche Staatshilfen ist. In der Politik wächst die Unruhe, weil dieses noch immer nicht vorliegt. Die Banken wollen Schaeffler aber Zeit lassen. Das ist auch in ihrem Interesse – schließlich drohen den Gläubigern massive Abschreibungen, wenn sie zum Beispiel jetzt ihre Kredite in Schaeffler-Eigenkapital umwandeln würden. Daher sei auch noch längst nicht klar, dass es auf eine Umwandlung der Kredite hinausläuft, hieß es. Es gebe weiterhin die Hoffnung auf den Einstieg externer Investoren.

Den Banken war es wegen der Finanzkrise nicht gelungen, die Kreditrisiken über eine Syndizierung weiterzureichen. Daher hat die Commerzbank seit der Dresdner-Bank-Übernahme laut Finanzkreisen insgesamt fünf Mrd. Euro Schaeffler-Kredite in den Büchern. Bei der Hypo-Vereinsbank sollen es gut zwei Mrd. Euro sein.

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