Autozulieferer
Conti droht juristische Niederlage

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental wird den geplanten Abbau von 1 900 Stellen möglicherweise nicht wie vorgesehen vollziehen können. Knackpunkt sind die Proteste und der politische Druck in Frankreich, wo der finanziell klamme Konzern ein Werk schließen will.

PARIS/HAMBURG. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental wird den geplanten Abbau von 1 900 Stellen möglicherweise nicht wie vorgesehen vollziehen können. Knackpunkt sind die Proteste und der politische Druck in Frankreich, wo der finanziell klamme Konzern ein Werk schließen will. "Verschiebt sich das Vorhaben in Frankreich, droht uns auch in Deutschland eine politische Verzögerung", sagten Kreise der Kapitalseite im Conti-Aufsichtsrat dem Handelsblatt. Die Sorgen gelten vor allem dem Ausgang einer in zwei Wochen anstehenden Gerichtsverhandlung in Frankreich.

Um die Kosten zu reduzieren, wollen die Niedersachsen angesichts des Nachfrageeinbruches die Reifenkapazität in ihren am wenigsten produktiven Fabriken abbauen. Dazu soll das Werk in Hannover mit 780 Arbeitsplätzen geschlossen werden und das im französischen Clairoix mit 1 120 Jobs.

Aus Sicht der französischen Arbeitnehmervertreter und der Staatsanwaltschaft bricht Continental damit Betriebsvereinbarungen und Arbeitsrecht - unter anderem soll das europäische Arbeitnehmergremium

nicht rechtzeitig informiert worden sein. Wegen dieser Vorwürfe steht das Unternehmen am 21. April vor Gericht.

Kreise der Eignerbank verweisen sorgenvoll auf den Ort der Verhandlung: Sarreguemines in Lothringen, Sitz des französischen Betriebsratschefs und eines weiteren französischen Conti-Reifenwerks mit gut 1 300 Arbeitsplätzen. Politischer Druck kommt von höchster Stelle: Staatschef Nicolas Sarkozy, hatte über Conti-Manager im Radio gesagt: "Diese Leute stehen nicht über dem Gesetz."

Muss Conti-Chef Karl-Thomas Neumann in Frankreich eine Hängepartie akzeptieren, dürfte ihn das auch beim Stammwerk in Hannover-Stöcken blockieren. Er will trotz des Widerstandes, der von der Gewerkschaft IG BCE, aber auch vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) kommt, an den Kürzungen festhalten. Eine Alternative könne sich Konzern nicht leisten, heißt es in Aufsichtsratskreisen: Conti bliebe beim Erhalt von Clairoix und Stöcken auf 30 Mio. Euro Kosten pro Jahr sitzen.

Das Aus für Clairoix dürfte sich aber trotz eines Aufschubes nicht vermeiden lassen. Gibt das Gericht den Arbeitnehmern Recht, wird der Schließungsbeschluss als solcher nicht in Frage gestellt, räumt Antonio Da Costa, Betriebsratschef in Clairoix, ein. Die Arbeitnehmer gewönnen aber Zeit: Conti müsste die Prozedur von Neuem starten und monatelang einen Millionenverlust hinnehmen, hieß es. Offiziell geben sich die Niedersachsen zuversichtlich: "Wir haben uns an französisches Recht gehalten und sind deshalb zuversichtlich", sagte ein Conti-Sprecher. Die Kürzungspläne spalten die eigene Kontrolleursriege: Die Kapitalseite unterstützt Neumann, die Arbeitnehmervertreter suchen die offene Auseinandersetzung. Erwartet wird ein Sturmlauf auf die Hauptversammlung in Hannover am 23. April. Der französische Betriebsrat hat bereits Proteste angekündigt. "Dann brennen auch bei uns die Reifen", befürchten Conti-Manager.

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