Autozulieferer
Hopp verliert Bieterduell um Edscha

Der insolvente Autozulieferer Edscha wird in Einzelteilen verkauft. Nach einem Bieterwettstreit bekam der bayerische Konkurrent Webasto den Zuschlag für die Sparte Cabriodächer, wie Edscha am Dienstag mitteilte.

FRANKFURT.Das Bieterduell um die Cabriofertigung des insolventen Autozulieferers Edscha ist entschieden: Der bayerische Konkurrent Webasto setzte sich gestern gegen ein Bieterkonsortium um den früheren Edscha-Manager Horst Kuschetzki und den Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, Daniel Hopp, durch. Insolvenzverwalter Jörg Nerlich habe mit Webasto einen Kaufvertrag unterzeichnet, mit dem alle 1 200 Arbeitsplätze der Geschäftssparte gesichert würden, teilte der Zulieferer mit Sitz in Stockdorf bei München mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Experten schätzen, das ein zweistelliger Millionenbetrag geflossen ist. Der Verkauf bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörden.

Der Remscheider Edscha-Konzern, der mehrheitlich dem Finanzinvestor Carlyle gehört, wird damit sechs Monate nach dem Gang in die Insolvenz filetiert. Edscha hatte wegen der Absatzkrise in der Autoindustrie für die europäischen Standorte mit insgesamt 4 200 Beschäftigten Anfang Februar Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Zum Verkauf steht nun noch die größere Edscha-Sparte Karosserieprodukte. Es gebe großes Interesse an dem weltgrößten Auto-Scharnierhersteller, zitierte Edscha den Insolvenzverwalter Nerlich. Bis zum Spätsommer sei ein Verkauf an einen Investor möglich.

Das Bieterkonsortium um Kuschetzki und Hopp hatte vor wenigen Tagen mit einem verbesserten Übernahmeangebot für die Cabriosparte vergeblich versucht, Webasto noch aus dem Feld zu schlagen. Das Unternehmen plant nun, den eigenen Cabrio-Geschäftsbereich mit rund 400 Mitarbeitern mit dem von Edscha in einer neuen Gesellschaft unter der Führung des bisherigen Edscha-Managements zusammenzuführen. „Mit Edscha bauen wir unsere technologische Expertise für Cabrio-Dachsysteme konsequent aus“, sagte Webasto-Chef Franz-Josef Kortüm.

Die Cabriodächer trugen bisher ein Drittel zum Edscha-Umsatz bei, der 2007/08 insgesamt 1,1 Mrd. Euro betrug. Das Familienunternehmen Webasto hatte bereits 2008 mit Carlyle über einen Kauf der Cabrioverdecksysteme verhandelt. Der 101 Jahre alte Hersteller von Cabriodächern und Standheizungen beschäftigt weltweit 6 600 Mitarbeiter und hat 2008 einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro erzielt.

Die Branche steckt im Sog der schweren Krise der Autohersteller selbst in großen Schwierigkeiten. So musste neben Edscha auch schon der niedersächsische Cabriodach-Hersteller und Auftragsfertiger Karmann Insolvenz anmelden. Edscha gilt aber als begehrtes Objekt: Die deutschen Autohersteller stehen zu dem Unternehmen. Webasto stellt neben Klimaanlagen indes ebenfalls Cabriodächer her und muss sich die Übernahme daher von den Kartellwächtern genehmigen lassen. Insolvenzverwalter Nerlich hatte Ende März gesagt, es gebe zahlreiche Interessenten für Edscha als Ganzes oder einzelne Geschäftseinheiten. Darunter seien Finanz- sowie strategische Investoren.

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