Autozulieferer
Karmann: Noch mehr Jobs weg

Der Aderlass beim insolventen Autozulieferer Karmann fällt stärker aus als erwartet. Nun sollen mehr als ein Viertel aller Stellen gestrichen werden. Die Insolvenzverwalter sehen keine andere Möglichkeit.

HB OSNABRÜCK. Der insolvente Autozulieferer und Cabrio-Bauer Karmann will mehr als ein Viertel der verbliebenen Stellen streichen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann, Pietro Nuvoloni, bestätigte entsprechende Informationen des Betriebsrates. Demnach sollen von den derzeit 1979 Mitarbeitern insgesamt 513 gehen. Einen Zeitrahmen für die Kündigungen gebe es noch nicht. "Das muss man als Prozess sehen", sagte Nuvoloni. Bestehende Aufträge in den einzelnen Abteilungen sollten zunächst abgearbeitet werden.

Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung soll unter anderem der Werkzeugbau mit bislang 245 Mitarbeitern geschlossen werden. Mit dem Insolvenzverwalterteam sei aber noch am vergangenen Freitag ein Personalbestand von 164 Mitarbeitern in der Sparte erörtert worden, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Gerhard Schrader: "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."

Der Betriebsrat sehe nach dem Ende der weltweiten Autokrise sehr wohl eine Chance für den Werkzeugbau. "Es gibt ganz wenige Werkzeugbauer in Deutschland, die eine Kompetenz für die Außenhaut von Fahrzeugen haben", sagte Schrader. Die Sparte müsse gehalten werden.

Nuvoloni zeigte sich erstaunt über die Forderung. Bereits vor der Insolvenz sei die Schließung des Werkzeugbaus angekündigt worden, falls sich kein Käufer finde. "Ein insolventes Unternehmen kann nur mit Einnahmen operieren, es bekommt keine Hilfe vom Staat", sagte Nuvoloni. Nicht ausgelastete Segmente müssten daher zurückgefahren oder geschlossen werden.

Karmann hatte vor Ostern Insolvenz angemeldet. Der Autobau steht seit längerem vor dem Aus. Voraussichtlich Ende Juni wird das letzte Mercedes CLK-Cabrio die Osnabrücker Werkshallen verlassen. Das Unternehmen will künftig als reiner Cabriodachhersteller und Fahrzeugentwickler auftreten.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) deutete in Zeitschrift "auto motor und sport" neue Aufträge für Karmann an. Trotz der auslaufenden Autoproduktion sehe der Politiker Überlebenschancen für das Unternehmen, insbesondere in der Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen, schreibt die Zeitschrift.

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