Bahn
ICE-Achsbruch lag an Materialfehler

Jetzt ist es amtlich: Ein Materialfehler bei einer Achse hat vor einem Jahr zum Entgleisen eines ICE in Köln geführt. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb die Ermittlungen gegen Bahnmitarbeiter eingestellt. Ihnen sei kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen. Jetzt erhöht sich der Druck auf Siemens.

HB KÖLN/BONN. Die Deutsche Bahn prüft nun, ob sie Schadenersatzforderungen gegen den Hersteller geltend macht. Konsortialführer beim ICE ist Siemens. Neues Ungemach drohen der Deutschen Bahn und anderen europäischen Eisenbahnen bei den Güterwagen. Nach dem Unglück in der italienischen Stadt Viareggio mit 24 Toten könnten schon bald Sonderprüfungen für alle Achsen angeordnet werden. In Viareggio war am 29. Juni ein Flüssiggas-Waggon wegen einer gebrochenen Achse entgleist und explodiert.

Das Gutachten zum Kölner ICE-Unfall hat laut Staatsanwaltschaft ergeben, dass bereits bei der Herstellung der Achse Fremdkörper ins Material gelangt waren. Dies führte zur Bildung eines Risses, so dass die Achse schließlich brach. Die Materialverunreinigung sei für die Bahn nicht erkennbar gewesen. Bei dem Unglück am 9. Juli 2008 war niemand verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte das Gutachten bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin in Auftrag gegeben.

Die Hersteller der Achse können nach Angaben der Staatsanwaltschaft strafrechtlich ebenfalls nicht zur Verantwortung gezogen werden. Der Paragraf 315a des Strafgesetzbuches zur Gefährdung des Bahnverkehrs beziehe sich nur auf einen begrenzten Personenkreis, nämlich auf Verantwortliche für die Sicherheit des Schienenverkehrs. „Damit kommen die Hersteller von vornherein nicht als Täter in Betracht“, erläuterte Staatsanwalt Timo Seesko. Auch dem Zugpersonal sei kein grob fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen. Nach dem Verlassen des Bahnhofs entgleiste der Zug bei geringer Geschwindigkeit auf der Hohenzollernbrücke. Daraufhin zogen der Zugbegleiter und eine weitere Person die Notbremse.

Bahnvorstand Ulrich Homburg teilte in Berlin mit, das Unternehmen behalte sich Regressforderungen zum gesamten wirtschaftlichen Schaden durch das Achsenproblem vor. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und in enger Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt alle Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt, damit unsere Fahrgäste weiterhin sicher mit der ICE-Flotte unterwegs sind“, sagte Homburg. „Jetzt erwarten wir von der Herstellerindustrie, dass sie ihren Beitrag zur endgültigen Lösung des Achsproblems leistet.“ Seit dem Kölner Unfall würden alle Achsen des Typs ICE-3 zehnmal häufiger untersucht als vorher.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) will sämtliche Achsen der Güterwagen, die auf deutschen Schienen unterwegs sind, von den Betreibern auf Risse untersuchen lassen. Die Fristen dafür sind noch offen, wie die Aufsichtsbehörde mitteilte. Auf deutschen Schienen sind normalerweise mehr als 120 000 Güterwagen im Einsatz, wegen der Wirtschaftskrise sind es derzeit rund ein Drittel weniger.

Die Sicherheitsuntersuchungen der Güterwagen sollen europaweit koordiniert werden. Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) habe für Ende des Monats zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen, auf der es um Prüffristen und den Prüfumfang für Achsen von Güterwaggons gehen werde, teilte das EBA mit. Anfang September plane die EU- Kommission eine Sicherheitskonferenz. Angesichts der in ganz Europa eingesetzten Güterwagenflotte könne nur durch ein europäisch koordiniertes Vorgehen die Sicherheit gewährleistet werden.

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