Baubranche
Bilfingers Ergebnis gerät unter Druck

Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger nimmt angesichts der Finanzkrise seine Wachstumspläne zurück. Besonders die Dienstleistungssparte gerät in den Sog der Finanzkrise. Dabei hatte der Baukonzern gerade das Wartungsgeschäft erst kürzlich stark ausgebaut.

DÜSSELDORF. „Wir rechnen im laufenden Jahr mit einem rückläufigen Umsatz“, sagte Thomas Töpfer, Vorstand der Bilfinger Berger-Tochter Industrial Services (BIS) dem Handelsblatt. Sollte die Krise 2010 anhalten, so Töpfer, käme die BIS nicht mehr nur mit einem blauen Auge davon: „Dann wird es richtig schwierig“, sagte er. Ursprünglich war Töpfer davon ausgegangen, dass allein der europäische Markt bis 2011 um gut 20 Prozent auf knapp 38 Mrd. Euro Umsatzvolumen zulegen wird und sich BIS davon eine dicke Scheibe abschneiden kann.

Stattdessen gerät nun die Ergebnisplanung von Bilfinger Berger erheblich unter Druck. Bislang galt die Wartung von Industrieanlagen, insbesondere für die Chemie- und Ölindustrie, als boomendes und äußerst profitables Geschäft für den Konzern, der sich damit von den konjunkturellen Schwankungen und vergleichsweise niedrigen Renditen im Baugeschäft unabhängig machen wollte.

2007 steuerte die Sparte Dienstleistungen mit den drei Geschäftsfeldern Industrial Services, Facility Management und Power Services gut ein Drittel zum Konzernumsatz und etwa 70 Prozent zum operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei. Wenn die Chemieindustrie auch 2010 mit einer Rezession konfrontiert sein sollte, dürfte es im Dienstleistungsgeschäft schwierig werden, die hohen Margen zu erhalten, bestätigte HSBC-Analyst Thomas Teetz.

Bilfinger-Chef Herbert Bodner revidiert daher möglicherweise am Donnerstag seine Prognose, wenn er die vorläufigen Ergebnisse für 2008 vorlegt. Nach Meinung von Analysten wird er aber trotz der schwierigen Marktbedingungen die Zielmarken für 2008 noch erfüllen. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX stieg die Bauleistung um knapp zwölf Prozent auf 10,3 Mrd. Euro und das operative Ergebnis (Ebita) sogar um gut ein Viertel auf knapp 305 Mio. Euro.

Haupttreiber dürfte erneut das Dienstleistungsgeschäft gewesen sein. Kein Wunder: Töpfer erwartet allein für die BIS im Jahr 2008 mit über 22 000 Beschäftigten einen Umsatz von weit über zwei Mrd. Euro und eine Rendite deutlich über der des Vorjahres von 5,8 Prozent oder 100,6 Mio. Euro. Experten gehen von rund 2,6 Mrd. Euro Umsatz aus, denn die BIS erreichte bereits nach drei Quartalen zwei Mrd. Euro.

Bilfinger hat das Wartungsgeschäft nach der Übernahme der Münchener Reinhold & Mahla im Jahr 2001 stark ausgebaut. Der Baukonzern mausert sich zu einer „Multi Service Group“ - ein Trend, der alle großen Baukonzerne erfasst hat, die Wege aus der Baukrise suchen. Allein im vergangenen Jahr hat Bilfinger für 100 Mio. Euro im Frühjahr die Sparte Industrieservices von Norsk Hydro gekauft, die mit 2 200 Mitarbeitern eine Leistung von 250 Mio. Euro erzielt. Im Sommer erwarb der Konzern den US-Industriedienstleister Tepsco vom Finanzinvestor Churchill Equity. Tepsco erzielt mit 1 100 Beschäftigten einen Umsatz von 270 Mio. Dollar und ist vor allem in der Ölregion Texas/Louisiana tätig.

In Deutschland belief sich der Umsatz der BIS im Jahr 2007 auf rund 700 Mio. Euro. Damit kommt BIS laut Töpfer auf einen Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent in der stark mittelständisch geprägten Branche. Große Wettbewerber hierzulande sind Thyssen Krupp Industrial Services, die Voith-Gruppe oder die österreichische MCE. An der zum Verkauf stehenden Thyssen-Sparte ist BIS nicht interessiert, und „wenn dann nur an Teilbereichen“. BIS sucht aber weitere Verstärkungen im Ausland, etwa in Frankreich.

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