Baubranche
Dubai lässt Rechnungen platzen

Dubais Konjunktur, die am Tropf der Immobilien-Wirtschaft hängt, leidet derzeit unter einem akuten Kapitalmangel. Der Einbruch belastet die deutschen Exporte in die die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), deutsche Baufirmen bleiben insbesondere in Dubai zunehmend auf ihren Zahlungsforderungen sitzen.

DUBAI. „Wir rechnen für 2009 mit einem Rückgang im zweistelligen Bereich“, sagte Felix Neugart, Referatsleiter für den Mittleren Osten und Nordafrika beim DIHK, dem Handelsblatt. „Die Ursache liegt im stark abnehmenden Baugeschäft, insbesondere in Dubai.“

Deutsche Unternehmen blicken mittlerweile skeptisch auf das Glitzer-Emirat am Persischen Golf. „Viele Firmen befürchten einen scharfen Knick“, so Peter Göpfrich, Leiter der Außenhandelskammer in Dubai. Nach Schätzungen von Germany Trade and Invest sinkt das globale Importvolumen der VAE 2009 um 18 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten deutsche Lieferungen in den Golfstaat noch einen Wachstumsschub von 40 Prozent verzeichnet. Außerhalb Europas war die arabische Halbinsel mit einem Gesamtvolumen von 17,8 Mrd. Dollar der viertgrößte Exportmarkt für Deutschland nach den USA, China und Russland.

Doch der Golfregion, bislang einer der wenigen Hoffnungsschimmer am deutschen Export-Himmel, steht in diesem Jahr eine konjunkturelle Abkühlung bevor. „Nach sechs Jahren mit rasantem Wachstum wird sich die Entwicklung deutlich verlangsamen“, sagt Simon Williams, Chef-Ökonom der britischen Bank HSBC in Dubai. Das Institut taxiert das Wachstum am Golf für 2009 auf 1,9 Prozent, nach rund sieben Prozent im vergangenen Jahr. Für Dubai rechnen die meisten Wirtschaftsfachleute mit einer Rezession.

Dubais Konjunktur, die am Tropf der Immobilien-Wirtschaft hängt, leidet derzeit unter einem akuten Kapitalmangel. In der Folge sitzen zahlreiche deutsche Baufirmen auf unbezahlten Rechnungen. "Mein Finanzchef läuft derzeit nur noch dem Geld hinterher: Es ist die nackte Katastrophe", klagt der Leiter eines großen Bauzulieferers. Die Außenstände seines Unternehmens summierten sich bereits auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in Euro.

Nach Einschätzung von Oliver Parche von der Außenhandelskammer in Dubai hat sich die Zahlungsmoral in der Glitzer-Metropole seit Oktober letzten Jahres dramatisch verschlechtert. "Kapital fließt - wenn überhaupt - nur sehr schleppend, etliche Betriebe verdienen derzeit überhaupt nichts", sagt Parche. Viele Vertreter der Baubranche sehen die Lage ähnlich. Kaum ein Firmenchef möchte sich jedoch namentlich dazu äußern - aus Sorge, künftig bei öffentlichen Aufträgen in Dubai nicht zum Zuge zu kommen.

Hinter dem Zahlungsstau stecken massive Liquiditätsengpässe, die zu einem Dominoeffekt führen: Lokale und internationale Banken halten wegen der globalen Finanzkrise den Daumen auf ihren Schatullen. In der Folge pumpen Investoren kein Geld mehr in den Immobilienmarkt. Spekulanten, die in der Vergangenheit haufenweise Objekte auf Pump finanziert haben, können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Am Ende geht den Bauentwicklungsgesellschaften der Saft aus. Sie geben den Mangel an die Hauptauftragnehmer weiter, die wiederum die Zulieferer am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

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