Baubranche
Frankreich: Überkapazitäten sind vom Markt verschwunden

Die französischen Baukonzerne blasen im Unterschied zu ihren deutschen Wettbewerbern nicht Trübsal, sondern zum Angriff. Vinci und Bouygues, mit 18 und 15 Milliarden Euro Umsatz die beiden größten Baukonzerne Europas, legten jüngst gute Zahlen vor.

Beim Mischkonzern Bouygues, dem sowohl Frankreichs größter Fernsehsender TF1 als auch der drittgrößte Mobilfunker gehört, wurde der Gewinnanstieg um 49 Prozent ein gutes Stück vom Stammgeschäft Bau getragen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Vinci. Analysten machen drei Gründe für die gute Verfassung der französischen Baukonzerne aus. „Der Heimatmarkt Frankreich ist derzeit in exzellenter Verfassung“, sagt Christian Duchesne, Experte des Pariser Brokers CIC Securities. Nach Angaben des französischen Bau-Verbandes wurden vergangenes Jahr 363 000 neue Wohnungen gebaut – ein Rekord. Vom Volumen her wuchs das Geschäft um 3,3 Prozent. 2005 geht der Verband von ähnlich guten Zahlen aus.

Vor allem Privatleute nutzen das niedrige Zinsniveau, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Dies treibt den Preis für Altbau-Wohnungen in die Höhe, so dass mehr und mehr Investoren sich für einen Neubau entscheiden. Die Politik hilft mit und feuert die Nachfrage mit Steuervorteilen an, so sind kreditfinanzierte Baukosten steuerlich absetzbar.

Den zweiten Grund für das gute Geschäft von Vinci & Co. sehen Experten darin, dass die Überlebenden gestärkt aus der Baukrise hervorgegangen sind, die die Branche in den 90er-Jahren durchgeschüttelt hat. Überkapazitäten sind vom Markt verschwunden. „Und die großen Spieler achten nun stärker auf ihre Marge als auf ihren Marktanteil“, lobt Experte Duchesne. Vinci zum Beispiel weist im Bausektor eine Marge von über vier Prozent aus. Des Weiteren erklären Analysten die gute Verfassung der französischen Baukonzerne mit deren Geschäftsmodell. Sie sind nicht nur im klassischen Hoch- und Tiefbau, sondern auch im Konzessionsgeschäft und im Straßenbau aktiv. Vinci zum Beispiel kümmert sich mit Tochter Cofiroute um 900 Kilometer Autobahn. Das Unternehmen betreibt auch Flughäfen und das Stade de France bei Paris.

Da der Staat für teure Infrastruktur-Vorhaben immer weniger Geld hat, vergibt er solche Vorhaben im Zuge einer Public-Private-Partnership an Privatunternehmen. Bouygues bewirbt sich gerade um den Bau von Gefängnissen und Krankenhäusern. Auch Vinci setzt auf diese PPP-Projekte.

ali

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