Baukonzern
Bilfinger Berger bietet Koch ein gut bestelltes Haus

Die Geschäfte beim Baukonzern Bilfinger Berger laufen gut. Das Unternehmen hat deswegen nun seine Prognose angehoben. Vor einem Jahr hatte Bilfinger Berger noch unter hohen Abschreibungen gelitten.
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HB STUTTGART. Der scheidende Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner hängt die Latte für seinen designierten Nachfolger Roland Koch höher. Dank der Konjunkturerholung wird der Bau- und Dienstleistungskonzern im laufenden Jahr einen Rekordgewinn abliefern, wie Bodner am Dienstag in Mannheim ankündigte. Ein Ende der Rekordfahrt ist zudem auch 2011 nicht in Sicht. Die stete Ergebnisverbesserung sei „kein vorübergehender Effekt“, sagte der zur Jahresmitte 2011 in den Ruhestand wechselnde Manager. Das Ruder beim Mannheimer Konzern nimmt ab Juli der langjährige hessische Ministerpräsident Koch in die Hand. Noch vor der Übernahme des Chefpostens sagte der Politik-Aussteiger auch für den Vorsitz im Aufsichtsrat bei der Deutschland-Tochter der UBS zu.

Koch tritt bei Bilfinger Berger ein schweres Erbe an. Operativ glänzt der im Nebenwerteindex MDax gelistete Konzern, der in den ersten neun Monaten 2010 mit 201 Mio. Euro bereits mehr verdiente als im gesamten Krisenjahr 2009. Auch der Jahresgewinn im Boomjahr 2008 wurde übertroffen. Die abgerechnete Konzernleistung kletterte zwischen Januar und September bei selektiver Auftragsannahme im Bau-Geschäft auf 5,98 Mrd. Euro, drei Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die erfolgreiche Geschäftsentwicklung hat sich weiter fortgesetzt“, zog Bodner Bilanz und stockte die Gewinnprognose für das zu Ende gehende Geschäftsjahr zugleich auf: 2010 soll der Nettogewinn mit mindestens 270 Mio. Euro bisher ungeahnte Höhe erreichen. Die operative Rendite werde bei einem Anstieg der abgerechneten Leistung auf rund acht Mrd. Euro bereits in diesem Jahr auf die angestrebte Zielgröße von vier Prozent klettern. Rendite- und Ergebnistreiber sind die Sparten Industriedienstleistungen und Gebäudemanagement, die Bilfinger Berger unter Bodners Ägide zulasten des margenschwächeren und zyklischen Baugeschäft mit Zukäufen gestärkt hatte. Dem jüngsten Auftragsrückgang bei Kraftwerksneubauten in Deutschland werde mit verstärkter Projekt-Akquise im Ausland begegnet, sagte der Manager.

Seinem Nachfolger Koch hinterlässt der gebürtige Österreicher allerdings auch die bislang ungeklärte Frage, ob und welche Rolle eine mangelhafte U-Bahn-Baustelle von Bilfinger Berger beim tragischen Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Frühjahr 2009 mit zwei Toten gespielt hat. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Rückstellungen halten die Mannheimer dafür bisher nicht für erforderlich.

Im Zuge der Verkleinerung des Bau-Geschäfts rutschte Bilfinger Berger in der von Hochtief angeführten Rangliste der größten deutschen Baukonzerne hinter Strabag zurück. Der Essener Hochtief-Konzern erwehrt sich derzeit einer feindlichen Übernahme durch den spanischen Großaktionär ACS. In die Rolle des Weißen Ritters will Bilfinger Berger trotz üppiger Finanzkraft nicht schlüpfen. Die Kasse könnte sich im kommenden Jahr durch einen Börsengang der australischen Bau-Tochter Valemus noch mehr füllen. Auch ein Verkauf der Tochter an einen strategischen Investor sei möglich, Gespräche mit Kaufinteressenten liefen, sagte Bodner.

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