Baukonzern
Lenz setzt Kampf gegen die Strabag fort

Der bizarre Streit zwischen dem österreichischen Baukonzern Strabag und der Familie Lenz um die Integration des Stuttgarter Baukonzerns Züblin wird die Gerichte noch weiter beschäftigen. Die vom Richter angeregte Möglichkeit, den Konflikt durch Übernahme der Anteile von Lenz zu lösen, scheint in weiterer Ferne denn je.

STUTTGART. Der österreichische Baukonzern Strabag hält 57 Prozent an Züblin, die Familie Lenz 43 Prozent am Stuttgarter Baukonzern Züblin. „Wir werden aller Voraussicht nach eine Nichtzulassungsklage erheben“, kündigte der Sprecher der Minderheitseigentümer, Eberhard Lenz, an.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hatte am Mittwoch die Berufung der Familie Lenz gegen die Umstrukturierung des Bauunternehmens zurückgewiesen. Züblin-Chef Alexander Tesche wertete die Entscheidung zwar als Meilenstein – jetzt könne sich Züblin wieder voll aufs Geschäft konzentrieren. Die Familie Lenz aber wehrt sich weiter gegen die von der österreichischen Konzernmutter angestrebte Zusammenlegung des Hoch- und Ingenieurbau-Geschäfts von Züblin mit seiner deutschen Tochter Strabag AG. „Die Altlasten werden bei Züblin abgeladen“, behauptet Lenz. Das OLG habe die Familie auf den Weg der Einzelklage verwiesen. „Diesen Weg können und werden wir in der Tat zu gegebener Zeit gehen“, kündigte Lenz an.

Lenz ist sich sicher, dass sich der Bundesgerichtshof mit dem Thema befassen wird. Schließlich gehe es darum zu klären, wie weit ein Mehrheitaktionär ohne Beherrschungsvertrag gehen dürfe. Einem Beherrschungsvertrag müssen 75 Prozent der Anteilseigner zustimmen. Auch bei der deutschen Strabag klagen Altaktionäre aus dem selben Grund gegen die österreichische Mutter. Parallel dazu will Lenz künftig fragwürdige Entscheidungen des Vorstands anfechten. „Der Vorstand hat sauber gearbeitet und wird das auch weiter tun“, betont dagegen Züblin-Chef Tesche. Alle Maßnahmen seien sinnvoll und zum Wohl von Züblin.

Lenz hatte jahrelang mit Walter-Bau-Chef Ignaz Walter um die Vorherrschaft bei Züblin gekämpft. „Nur weil Züblin eigenständig blieb, hat es auch die Walter-Bau-Pleite überlebt“, sagt Lenz. Wichtige Funktionen wie Finanzierung, Buchhaltung und die Rechtsabteilung habe Züblin nun bereits abgeben müssen. Anders als zu Walter-Zeiten sei Züblin jetzt allein nicht mehr lebensfähig. Die Familie sei seit 80 Jahren investiert und werde weiter für die Eigenständigkeit von Züblin kämpfen. In der nächsten Baukrise werde man ja sehen, ob es Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner wie Ignaz Walter ergehen werde, sagte Lenz.

Die vom Richter angeregte Möglichkeit, den Konflikt durch Übernahme der Anteile von Lenz zu lösen, scheint in weiterer Ferne denn je. Strabag-Vorstand Thomas Birtel, der auch Aufsichtsrat von Züblin ist, zeigt zwar Bereitschaft, den Preis für die Lenz-Anteile an Züblin zu erhöhen. „Die faire Bewertung liegt bei 115 Mill. Euro“, sagte Birtel. Das entspreche dem sieben- bis achtfachen Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen und sei eine branchenübliche Bewertung. Bislang hatte der österreichische Konzern nur 80 Mill. Euro zahlen wollen.

Lenz sieht den Wert des Unternehmens bei 230 Mill. Euro und orientiert sich dabei an der Bewertung, die die östrerreichische Raiffeisen für Züblin im Vorfeld des geplanten Börsengangs der österreichischen Mutter Strabag SE gegeben hatte. Zu direkten Verhandlungen wird es wohl kaum kommen. „Wir wollen nicht verkaufen, schon gar nicht an Haselsteiner“, sagte Lenz. Er ist weiter zuversichtlich eine Sonderprüfung bei Züblin zu erlangen. Auf der nächsten Hauptversammlung am 5. Juli hat Lenz erneut die Ergänzung der Tagesordnung zur Bestellung eines Sonderprüfers beantragt.

„Wann merkt eigentlich Herr Lenz, dass er wie ein Desperado in der Wüste kämpft und keiner da ist, der ihn ernst nimmt“, hat ein Strabag-Sprecher nur noch ironische Bemerkungen für Lenz übrig. Der hingegen sieht auf die Strabag eine teure Rückabwicklung der Züblin-Integration zukommen.

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