Baustoffe
Heidelcement steht vor Kapitalerhöhung

Offenbar will das Unternehmen noch in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro platzieren. Aktionäre reagieren mit Verkäufen. Die Familie des verstorbenen Hauptaktionärs Adolf Merkle wird die Kapitalerhöhung wegen eigener Finanzprobleme nicht mit machen.

STUTTGART/FRANKFURT. Der größte deutsche Baustoffkonzern, Heidelberg Cement, scheint mit den Vorbereitungen für eine Kapitalspritze weiter zu sein als bekannt. Das Unternehmen will offenbar noch in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung mit einem Volumen von mehr als 1,5 Mrd. Euro platzieren. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Ähnliches hatte zuvor auch die "Börsen-Zeitung" berichtet. Der Aktienkurs von Heidelberg Cement brach gestern um rund vier Prozent ein. Aktionäre befürchten offensichtlich, dass Kapitalmaßnahmen den Wert des Papiers verwässern und verkauften ihre Anteile. Maßgeblich beteiligt am Konsortium sollen die Deutsche Bank und Morgan Stanley sein.

Das Unternehmen hielt sich gestern bedeckt. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte eine Sprecherin. Auf der vergangenen Hauptversammlung hatte sich der mehrheitlich zur Merckle-Gruppe gehörende Konzern Kapital für die Ausgabe von gut 28 Mio. neuen Aktien und rund zwei Mrd. Euro an Wandelanleihen einräumen lassen. Das Unternehmen könnte sich damit theoretisch etwa 2,5 bis 3 Mrd. Euro an neuem Eigenkapital oder eigenkapitalähnlichen Mitteln beschaffen.

Durch einen harten Sparkurs sowie Verkäufen von Beteiligungen hat der Konzern seine Netto-Verschuldung im zweiten Quartal von zwölf auf 11,3 Mrd. Euro reduziert. Nach der Umstrukturierung von Bankschulden in Höhe von 8,7 Mrd. Euro vor zwei Monaten arbeitet Heidelcement seit längerem an einer grundlegenden Sanierung der Bilanzstrukturen. Finanzchef Lorenz Näger hatte zu den Halbjahrszahlen Ende Juli gesagt, man prüfe, wie und wann man die zur Verfügung stehenden Kapitalmarktinstrumente einsetzen könne.

Der Moment scheint angesichts der Stabilisierung an den Börsen günstig. Der Druck ist hoch, viele Unternehmen wollen Kapitalmaßnahmen umsetzen, bevor der Markt wieder einbrechen könnte. "Auf kurze Frist, also für die nächsten Monate, sehen wir eine Reihe von Kapitalerhöhungen. Unsere Pipeline ist gefüllt", sagte Commerzbank-Vorstand Michael Reuther dem Handelsblatt.

Auch Berthold Fürst, der den deutschen Bereich Fusionen und Übernahmen der Deutschen Bank führt, erwartet, dass Restrukturierungsfälle "teilweise über die Schiene Kapitalerhöhungen gelöst werden".

Eines steht bei Heidelcement schon jetzt fest: Die Familie des verstorbenen Hauptaktionärs Adolf Merckle, die zuletzt 72 Prozent der Anteile hielt, wird die Kapitalerhöhung wegen ihrer eigenen Finanzprobleme nicht mit machen.

Der zweite größere Aktionär die Familie Schwenk/Schleicher hat sich in den vergangenen Wochen von ihrer Beteiligung in Höhe von ursprünglich sieben Prozent weitgehend getrennt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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