Begonnene Projekte gesichert
Bau neuer ICE-Strecken in Gefahr

Im Angesicht der angespannten Finanzlage des Bundes ist der Bau neuer Strecken für den ICE ungewiss. Vorstandschef Hartmut Mehrdorn erklärte in Neu-Ulm, die Bahn stelle sich bei geplanten Projekten auf neue Priorutäten ein. „Alle müssen sparen, auch die Bahn.“

HB BERLIN/NEU-ULM. Die Konzernspitze rechnet nach dpa-Informationen bei den Bundesmitteln mit erheblichen Abstrichen gegenüber der ursprünglichen Kalkulation. Derzeit gebe es Gespräche über die Investitionsplanungen, sagte ein Bahn-Sprecher. Laut Bundesverkehrsministerium sind begonnene Projekte und Ausbesserungen des bestehenden Netzes auf jeden Fall gesichert.

Im Haushaltsentwurf für 2004 seien erneut knapp vier Milliarden Euro für Investitionen in die Schiene vorgesehen, sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD). Dieses „hohe Niveau“ solle auch in den Folgejahren gehalten werden. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA kritisieren, bis 2007 würde der Bund damit rund 3,6 Milliarden Euro weniger zur Verfügung stellen als in ursprünglichen Planungen vorgesehen. Mehrkosten für begonnene Projekte eingerechnet, könnten sogar bis zu sechs Milliarden Euro weniger bereit stehen als angenommen. Nach dpa-Informationen würden bis 2007 zumindest rund 1,5 Milliarden Euro vom Bund gegenüber der ursprünglichen Planung fehlen. Die damalige Planung war von den Bundesvertretern im Aufsichtsrat allerdings als zu hoch angezweifelt worden.

"Laufende Neubauprojekte sind nicht in Gefahr"

„Neubauprojekte wird es praktisch nicht mehr geben“, warnte Transnet-Chef Norbert Hansen. Laut Verkehrsministerium ist aber trotz der nötigen Haushaltskonsolidierung auch künftig Spielraum für weitere Investitionsplanungen. Über die konkrete Auswahl der Projekte und die Prioritäten werde gesprochen. Die Bahn ist intern darauf eingestellt, geplante Projekte von 2006 an notfalls zu verschieben, zu streichen oder zu verkleinern.

Um Lücken im Fernverkehrsnetz zu schließen, sind zahlreiche Bauvorhaben in der Planung. Sie sind nun in der Schwebe, wie auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Das Verfahren für die neue Schnellverbindung zwischen Frankfurt und Mannheim geht im kommenden Jahr in die entscheidende Phase. Auch von Hamburg nach Bremen sind Ausbauten vorgesehen. Bereits laufende Neubauprojekte wie die Strecken von Karlsruhe nach Basel oder zwischen Nürnberg und Erfurt seien nicht in Gefahr, sagte der Ministeriumssprecher.

Die Gewerkschaften kritisierten, bei radikalen Kürzungen seien tausende Arbeitsplätze bedroht. Die Bahn müsse ihre „Börsenträume“ erst einmal beerdigen. Auch der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Albert Schmidt, warnte die Bahn davor, auf diese Weise „auf Biegen und Brechen schwarzen Zahlen in der Bilanz“ erreichen zu wollen. Am Ziel, bis 2005 die Börsenfähigkeit des Konzerns zu erreichen, will Mehdorn aber auf jeden Fall festhalten. Es dürfe „auf den letzten Metern“ nicht mehr gefährdet werden. Mit einer grundsätzlichen Entscheidung des Bundes über einen möglichen Börsengang rechnet die Bahnspitze noch in diesem Jahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%