Beitritt zu Konsortium
RWE beteiligt sich an Nabucco-Gaspipeline

Der Essener Energiekonzern RWE hat nach monatelangen Verhandlungen seine Teilnahme an einem der wichtigsten europäischen Gaspipeline-Projekte besiegelt. RWE trat am Dienstag als sechster Partner dem Konsortium zum Bau der Nabucco-Pipeline bei – für das Unternehmen ein „Meilenstein“.

HB WIEN/DÜSSELDORF. Durch die Röhre solle ab 2012 Gas aus der Region am Kaspischen Meer über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich gepumpt werden soll. Das vom österreichischen Energiekonzern OMV geführte Projekt wird von der EU unterstützt, die ihre Abhängigkeit von Gas aus Russland verringern will.

RWE sei der passende strategische Partner, erklärte das Konsortium. "Wir sind erfreut, dass uns das Nabucco-Konsortium als sechsten gleichwertigen Partner akzeptiert hat", sagte der Chef der RWE -Gassparte, Stefan Judisch. "Dieses Pipeline-Projekt ist für uns ein wichtiger Meilenstein in unserer Gaswachstumsstrategie." RWE bemüht sich seit dem Frühjahr 2007 um eine Aufnahme. Die Entscheidung über den sechsten Partner hatte sich mehrmals verzögert.

Die Kosten für die über 3000 Kilometer lange Pipeline mit einer Jahreskapazität von bis zu 31 Mrd. Kubikmeter werden auf sechs Mrd. Euro beziffert. Bei den Partnern handelt es sich neben RWE und OMV um die türkische Botas, MOL aus Ungarn, die bulgarische Bulgargaz und Transgaz aus Rumänien. Alle Firmen sollen jeweils über gut 16 Prozent der Anteile verfügen. Rumänien hat sich für die Aufnahme des französischen Gaskonzerns Gaz de France ausgesprochen.

Die Röhre ist nur eine von mehreren Pipelines, die in und außerhalb Europas geplant sind. RWE -Konkurrent Eon treibt zusammen mit BASF, Gasunie aus den Niederlanden und dem russischen Gazprom -Konzern den Bau der Ostsee-Pipeline voran, durch die ab 2011 Gas von Sibirien nach Deutschland strömen soll. Die Pipeline soll im Endstadium eine Kapazität von 55 Mrd. Kubikmeter haben. Russland ist bislang der wichtigste Gaslieferant für die EU, die rund ein Drittel ihres Bedarfs von dort bezieht. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine Anfang 2006 hat in der EU jedoch Zweifel an der Zuverlässigkeit Russlands aufkommen lassen.

Unklar ist bislang, von wem das Gas für die Nabucco-Pipeline kommen soll. Als mögliche Lieferanten sind Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Ägypten, Iran und sogar der Irak im Gespräch. "Die Realisierung des Projekts hängt davon ab, dass die Frage geklärt wird, aus welchen Ländern das Gas kommt. Dies ist bislang offen", sagte Matthias Heck vom Bankhaus Sal Oppenheim.

RWE ist nach eigenen Angaben der sechstgrößte Gaskonzern Europas und in Deutschland nach Eon Ruhrgas die Nummer zwei. Die Essener versorgen inklusive größerer Beteiligungen mehr als zehn Mill. Gaskunden, davon gut drei Mill. in Deutschland. Das Unternehmen bezieht jährlich aus verschiedenen Quellen rund 40 Mrd. Kubikmeter Gas - RWE zufolge entspricht dies etwa acht Prozent des europäischen Bedarfs. In den nächsten Jahren will der Konzern die Marke von 60 Mrd. Kubikmeter erreichen. Die wichtigsten Vertriebsmärkte sind Deutschland, die Tschechische Republik, Großbritannien, Ungarn und die Niederlande.

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