Belegschaft prüft Forderung nach Mehrarbeit
Verhandlungen bei MAN nicht vor September

der MAN- Konzern nach Siemens und Daimler-Chrysler das nächste Dax-Unternehmen wird, das in Deutschland zumindest teilweise Mehrarbeit ohne Lohnausgleich einführt, wird sich frühestens im September klären.

mwb AUGSBURG. Ob „Wir haben unsere Wirtschaftsprüfer damit beauftragt, die vom Vorstand vorgelegten Zahlen, mit denen er seine Forderungen begründet, zu prüfen“, sagte der Bevollmächtigte der IG Metall, Jürgen Kerner, in Augsburg. Diese Prüfung werde bis Anfang September dauern. Auf dieser Grundlage wollen die Arbeitnehmervertreter verhandeln. MAN legt am 12. August seine Halbjahreszahlen vor.

Von der Forderung nach Mehrarbeit ist nicht der Gesamtkonzern betroffen. Im Raum steht eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit in den nächsten beiden Jahren im Augsburger Dieselmotorenbau (2 200 Beschäftigte) um fünf Stunden auf 40 Stunden sowie in der Druckmaschi- nen-Fertigung in Augsburg (3 100) sowie in Offenbach (2 000) um drei Stunden auf 38 Stunden.

Konzernchef Rudolf Rupprecht hatte für die betreffenden Bereiche Mehrarbeit für gleichen Lohn verlangt. Er begründete dies damit, dass in Absprache mit den Beschäftigten Aufträge zu nicht kostendeckenden Konditionen angenommen wurden. Ein MAN-Sprecher bekräftigte dies gestern.

Am kritischsten dürfte die Situation bei den Bogendruckmaschinen in Offenbach sein. Der Bereich ist in den vergangenen Jahren immer wieder in die roten Zahlen gerutscht. Rupprecht hatte die Ausgliederung in eine rechtlich eigenständige Gesellschaft angekündigt und damit erstmals einen der Konzern-Kernbereiche zur Disposition gestellt. Passiert ist allerdings in Sachen Ausgliederung noch nichts.

„Mit seinem Vorpreschen hat Herr Rupprecht eine betriebsnahe Lösung nahezu unmöglich gemacht“, sagte Gewerkschafter Kerner. Verhandlungspartner werde im September die IG-Metall sein, weil die Forderungen nicht mehr mit dem Rahmen der im Frühjahr geschlossenen Tarifverträge vereinbar seien. Das erschwere einvernehmliche Lösungen vor Ort.

Die Arbeitnehmervertreter verwiesen auf ihren bereits geleisteten Beitrag. MAN-Diesel arbeitet in diesem Jahr gegen eine Beschäftigungsgarantie bereits 50 bis 60 Minuten pro Woche länger ohne Lohnausgleich. „Wir haben das nicht an die große Glocke gehängt, weil es damals am Rande der Legalität war“, sagte Diesel-Betriebsratschef Detlef Dirks. Bei vollen Auftragsbüchern und 20 000 Überstunden sei die Belegschaft nicht bereit „Opfer nur für Aktienkurs und Aktionäre“ zu bringen. Es sehe sogar so aus, als ob die Diesel-Maschinen die geforderte Konzernumsatzrendite von fünf Prozent erreichen werde.

Auch die Beschäftigten bei Rollendruckmaschinen sehen bei einer Umsatzrendite von 4,6 Prozent (2003) die Forderungen als „nicht nachvollziehbar“ an. Anders als im Busbereich, in dem MAN die Karosseriebauten nach Polen und in die Türkei verlagerte, sind Verlagerungen bei Diesel- und Druckmaschinen nur schwer machbar.

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