Beschäftigungssicherung angemahnt
Volkswagen wird produktiver

Der VW-Konzern hat seine Hausaufgaben gemacht: Die Sanierung macht Fortschritte, die Leistungsfähigkeit des Konzerns zog deutlich an. Chef Martin Winterkorn rafft das Unternehmen und setzt seine Pläne durch. Mit Spannung wird dabei die Einführung des neuen Golf im nächsten Jahr erwartet.

hz FRANKFURT. Europas größter Autokonzern VW hat im Rahmen seiner Sanierung bei Produktivität und Auslastung kräftig aufgeholt. VW-Personalvorstand Horst Neumann sprach auf einer Betriebsversammlung im Werk Wolfsburg gestern von „deutlichen Fortschritten“. VW hatte sich 2006 von der Vier-Tage-Woche verabschiedet und die Wochenarbeitszeit verlängert. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Produktivitätssprünge seien angesichts eines immer härteren internationalen Wettbewerbs und eines „gezielten Angriffs von Toyota“ auf alle Märkte der Welt, aber insbesondere auf den europäischen Markt, unbedingt notwendig.

Laut den Worten Neumanns wird sich die Produktion pro Mitarbeiter in Wolfsburg 2007 von 24 auf 27 Fahrzeuge erhöhen. Osterloh mahnte angesichts dessen eine Strategie zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung bei VW an. Es seien immer weniger Mitarbeiter nötig, um die gleiche Anzahl von Autos zu fertigen. Das Management geht deshalb von einem weiteren sozialverträglichen Stellenabbau in den deutschen Werken aus. Nach Worten Neumanns werden bis zum Jahr 2012 weitere 10 000 Mitarbeiter in den Vorruhestand gehen.

Der neue VW-Chef Martin Winterkorn hatte bereits auf der Hauptversammlung im April eine weitere Steigerung der Produktivität und Auslastung der Werke als eine der Hauptaufgaben der Führungscrew genannt. Die erste große Bewährungsprobe für das neue Management wird dabei der nächste VW Golf sein. Der Wolfsburger Konzern hat die Produktion seines neuen Golfs auf das Jahr 2008 vorgezogen, um die sehr hohen Produktionskosten zu senken – der neue Golf soll billiger herzustellen sein als das aktuelle Modell. Das hatte Winterkorn selbst als VW-Entwicklungschef mitentworfen. Analysten sehen in der Rentabilität des neuen Golf einen Knackpunkt für die Zukunft von VW.

Osterloh betonte, dass der neue Golf „bei noch höherer Qualität deutlich schneller produziert“ werden könne. Um die daraus resultierenden Personalüberhänge aufzufangen, setzt der Betriebsrat auch auf das vom Management bereits 2006 versprochene zusätzliche Modell für Wolfsburg, das ein Volumen von 40 000 bis 45 000 Fahrzeugen pro Jahr bringen soll. „Es handelt sich dabei um ein Derivat auf der Golf-Plattform“, sagte Osterloh, ohne weitere Details zu nennen. Die Jahreskapazität am Stammwerk solle damit wieder 480 000 Fahrzeuge erreichen.

VW hatte bereits im Herbst des vergangenen Jahres die Golf-Fertigung vom Werk Brüssel trotz günstigerer Lohnkosten in Belgien nach Wolfsburg verlegt, um die Kapazität im Stammwerk besser auszunutzen. Das Werk in Brüssel wurde daraufhin Ende Mai an die Konzerntochter Audi weitergereicht, die dort nun zunächst den Audi A3 Sportback fertigen will.

Winterkorn will den Konzern inhaltlich und technisch in eine neue, höhere Umlaufbahn bringen. Das neue Management möchte VW als „Unternehmen, mit einem Markenportfolio der Superlative und der Fähigkeit, alle Kundenwünsche unter einem Dach befriedigen zu können“, positionieren. Winterkorn will so langfristig den profitabelsten Autokonzern der Welt, Toyota, übertrumpfen. Allein 2007 strebt der Konzern bei der Marke Volkswagen PKW eine Produktivitätssteigerung um zehn Prozent an.

Zentraler Baustein in der neuen Konzernstrategie ist eine weitere Erholung der Kernmarke, die in den nächsten Jahren zum Ergebnistreiber werden soll. Winterkorn will 2007 das operative Konzernergebnis vor Sondereinflüssen von 4,4 Mrd. Euro übertrumpfen, auch beim mittelfristigen Ergebnisziel erhöhte er die Vorgaben: Im Jahr 2008 soll ein Ergebnis vor Steuern nun von mindestens 5,1 Mrd. Euro erreicht werden.

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