Besteck-Hersteller
WMF steht kurz vor Verkauf

Laut Finanzkreisen will der WMF-Mehrheitseigner CapVis seine Anteile versilbern - und dabei mehr als den Börsenwert reinholen. Schon bald will CapVis zudem den Sicherheitstechnik-Hersteller Bartec veräußern.
  • 0

FrankfurtDer schwäbische Kochgeschirr- und Besteck-Hersteller WMF steht Finanzkreisen zufolge vor dem Verkauf. Der schweizerische WMF-Mehrheitseigentümer, der Finanzinvestor CapVis, suche gerade eine Bank, die den Prozess vorbereite und organisiere, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Noch konkreter sind die Pläne von CapVis, den Sicherheitstechnik-Hersteller Bartec aus Bad Mergentheim loszuschlagen. „Es ist möglich, dass wir den Verkauf von Bartec in den nächsten Monaten starten“, sagte CapVis-Manager Daniel Flaig der Nachrichtenagentur Reuters. Die Commerzbank und die Investmentbank William Blair sollen den Prozess begleiten, wie drei Insider sagten.

WMF ist an der Börse 486 Millionen Euro wert, beim Verkauf hofft CapVis den Firmenwert auf 500 bis 600 Millionen Euro zu treiben. Allerdings halten die Schweizer nur 52 Prozent an dem Unternehmen aus Geislingen an der Steige, für das sie 2006 nur 92 Millionen Euro gezahlt hatten. 37 Prozent liegen bei der österreichischen Beteiligunggsfirma Fiba, die sich damals gegen den Einstieg von CapVis gesträubt hatte. „Für jeden Käufer wird es entscheidend sein, seine Interessen mit Fiba abzustimmen“, sagte einer der Insider.

WMF hat erfolgreiche Jahre hinter sich, auch dank des Einstiegs ins Geschäft mit Kaffeemaschinen für Hotels und die Gastronomie. Der Umsatz des Unternehmens mit 6000 Mitarbeitern kletterte 2011 um neun Prozent auf 980 Millionen Euro, in diesem Jahr soll die Milliardenschwelle überschritten werden. In der Vergangenheit haben den Kreisen zufolge der WMF-Konkurrent Fackelmann und der österreichische Investor Rene Benko Interesse gezeigt, der um die Metro-Kaufhauskette Kaufhof buhlt. Weitere WMF-Rivalen sind Villeroy & Boch, Itala und Robbe & Berling.

Auch eine Platzierung der WMF-Anteile von CapVis über die Börse sei möglich, hieß es in den Kreisen. Bisher liegt der Streubesitz nur bei elf Prozent. Alle Beteiligten wollten sich nicht äußern.

Auch für Bartec peilt CapVis den Informationen zufolge einen Firmenwert von 540 bis 600 Millionen Euro an. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg mit mehr als 1000 Mitarbeitern könnte Wettbewerber wie Cooper Industries, Hubbell, Ametek, Thomas & Betts oder den schwäbischen Nachbarn R. Stahl ebenso anziehen wie Industrie-Konglomerate wie Siemens, ABB oder General Electric. Flaig sagte, CapVis stehe nicht unter Druck, Bartec rasch zu verkaufen. CapVis hatte sich erst 2008 an Bartec beteiligt.

Die Firma produziert besonders gesicherte Geräte, Apparate und Schaltungen für den Einsatz in explosionsgefährdeten Räumen, etwa in der Bergbau-, der Öl- oder der Chemieindustrie. Bartec hat im vergangenen Jahr mit rund 300 Millionen Euro Umsatz einen operativen Gewinn (Ebitda) von etwas mehr als 50 Millionen Euro erwirtschaftet. 2012 soll er auf 60 Millionen Euro steigen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Besteck-Hersteller: WMF steht kurz vor Verkauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%