Beteiligungen
Katar nimmt Autobranche ins Visier

Die Gas-Großmacht Katar greift nach deutschen Automobil-Firmen. Mit ihren Investitionen versuchen die Scheichs Zuliefer-Betriebe am Persischen Golf anzusiedeln. Auch deutsche Nobelmarken sind gefragt. Katar prüft unter anderem eine Beteiligung am Sportwagen-Hersteller Porsche.

DUBAI. Die Gas-Großmacht Katar hat den deutschen Automobil-Sektor im Visier. Im Juni wird eine Delegation mit Vertretern des katarischen Staatsfonds, der Qatar Investment Authority (QIA), des Wirtschaftsministeriums sowie der Handelskammer deutsche Firmen besuchen. Nach Informationen des Handelsblatts stehen dabei auch Gespräche mit Auto-Zulieferern auf dem Programm. Der katarische Ministerpräsident und CEO der QIA, Scheich Hamad Bin Jassen al-Thani, hatte in regierungsnahen Zeitungen angekündigt, Katar prüfe „ernsthaft“ eine Beteiligung am Sportwagen-Hersteller Porsche.

Die QIA hat weltweit mehr als 50 Milliarden Dollar angelegt. Sie ist hinter der Abu Dhabi Investment Authority und der Kuwait Investment Authority die kapitalstärkste Investmentgesellschaft im Nahen Osten. Das Golf-Emirat sitzt auf riesigen Gas-Reserven und ist bereits heute der größte Flüssiggas-Exporteur der Welt. Die Überschüsse aus diesen Einnahmen sind die wichtigste Finanzquelle der QIA.

Experten lobten Katars Pläne als wichtige Weichenstellung. „Eine Beteiligung an Porsche wäre der Einstieg in eine weltweit bekannte Premium-Firma, analog dem Daimler-Engagement von Abu Dhabi“, sagte Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi. Im Gegensatz zu Opel stehen die Nobelmarken Daimler, Porsche und BMW bei den Staatsfonds im Nahen Osten hoch im Kurs. Nach Ansicht von Fachleuten steckt hinter Katars Vorstoß jedoch nicht nur reines Rendite-Denken, sondern das Kalkül, vor allem Auto-Zulieferbetriebe auf die Arabische Halbinsel zu locken. „Katar will strategisch investieren: Mittelfristig sollen Produktionseinheiten aus dem Autosektor am Golf angesiedelt werden“, betonte Ralph Nitzgen, General Manager der Commerzbank in Dubai.

Branchen-Profis verweisen darauf, dass zum Beispiel Aluminium aus den Schmelzen in Bahrain oder Dubai für die Herstellung von Auto-Felgen in Katar verwendet werden könnte. „Katar will durch den Einstieg in eine starke Automarke die Tür zum Technologie-Transfer öffnen“, sagte Peter Göpfrich, Delegierter der Außenhandelskammer in Dubai.

Der katarische Ministerpräsident Scheich Hamad hatte bei seinem Berlin-Besuch vor einem Jahr erstmals signalisiert, dass der Golfstaat deutsche Firmen stärker auf den Radarschirm nehmen möchte. Dabei geht es nicht nur um lohnende Investitionen: „Der Staatsfonds hat deutlich gemacht, dass er deutsche Betriebe bevorzugen würde, die auch im Nahen Osten aktiv werden“, sagte Michael Pfeiffer, Geschäftsführer von Germany Trade & Invest.

Hinter dem verstärkten Wunsch nach Know-how-Transfer scheint ein neuer Trend bei den arabischen Staatsfonds zu stecken. So übernahm die International Petroleum Investment Company (IPIC), ein Fonds aus Abu Dhabi, kürzlich 70 Prozent der Anteile des deutschen Industrie-Dienstleistungsunternehmens MAN Ferrostaal. Die Essener Firma soll nun an der Entwicklung des Komplexes Chemaweyaat bei Abu Dhabi beteiligt werden, eines der größten Petrochemie-Werke der Welt.

Die QIA hat in der Vergangenheit sehr stark auf Finanztitel gesetzt. So erhöhte sie ihre Anteile bei der Credit Suisse und bei der britischen Barclays Bank. Mit Blick auf Deutschland will sich der Fonds neben dem Autosektor auch Betriebe aus den Bereichen Chemie, erneuerbare Energien und Medizintechnik für mögliche Investitionen anschauen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%