Betrugsvorwurf
TNK-BP-Manager vor Milliardendeal festgenommen

Der Pressechef des britisch-russischen Ölkonzerns TNK-BP ist wegen Betrugs festgenommen worden. Das Pikante: Die Affäre platzt mitten in die Beratungen über die milliardenschwere Übernahme des BP-Anteils durch Rosneft.
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MoskauKurz vor einem geplanten Milliardendeal zwischen den Energieriesen Rosneft und BP um den britisch-russischen Ölförderer TNK-BP ist ein Manager des Joint Ventures wegen Betrugs festgenommen worden. Der PR-Chef von TNK-BP soll Unternehmern gegen Millionenbeträge hohe Posten etwa in der russischen Präsidialverwaltung angeboten haben. Das teilte das Innenministerium in Moskau der Agentur Interfax am Freitag mit. Zunächst war offen, ob sich die Festnahme auf den möglichen Kauf der BP-Anteile an TNK-BP durch den russischen Staatskonzern Rosneft auswirken würde.

BP wollte am Freitag über das Angebot in Höhe von insgesamt 28 Milliarden US-Dollar (21,3 Milliarden Euro) für seinen 50-Prozent-Anteil entscheiden. BP-Chef Bob Dudley werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, die Offerte anzunehmen, berichtete die britische Zeitung „The Guardian“. Kremlchef Wladimir Putin hatte sich für den Kauf ausgesprochen. Rosneft-Boss Igor Setschin ist ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten.

Das russische Staatsunternehmen soll sich zudem für ebenfalls 28 Milliarden US-Dollar auch die zweite Hälfte an TNK-BP gesichert haben, die einem Konsortium russischer Oligarchen gehört. Damit würde Rosneft zum größten börsennotierten Ölkonzern der Welt aufsteigen.

Zusammen mit TNK-BP fördert der Konzern, dessen Anteilsmehrheit der Kreml hält, täglich rund 4,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl. Das ist fast doppelt so viel, wie die Rivalen Petrochina (2,4 Millionen Barrel) oder Exxon Mobil (2,3 Millionen) produzieren. Einzig der saudische Staatsmulti Saudi-Aramco kommt auf noch mehr.

BP stiege mit einer Einigung zum größten Rosneft-Aktionär nach dem russischen Staat auf, betonten Experten. Schon mehrmals hatten die Konzerne eine „strategische Partnerschaft“ angekündigt, die unter anderem lukrative Projekte in der russischen Arktis einschließen soll. Erst im September hatte sich Putin im Schwarzmeerort Sotschi mit BP-Boss Bob Dudley getroffen, der noch 2008 als TNK-BP-Chef wegen zu großen Drucks des Kreml aus Moskau geflohen war.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Betrugsvorwurf: TNK-BP-Manager vor Milliardendeal festgenommen"

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  • Die bei BP sind eh dumm genug, so einen Deal zu machen, um hinterher festzustellen, dass das Unternehmen verstaatlicht wird :-)

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