Bierbranche
SAB Miller kommt gut durch die Krise

Der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt zeigt sich trotz Einbußen robust. Trotz der schwierigen Lage hat das Unternehmen expandiert. Wachsen soll der Brauer künftig vor allem in Schwellenländern. Dabei kämpft es gegen einen riesigen Schwarzmarkt und Steuererhöhungen.
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KAPSTADT. Für SAB-Miller-Chef Graham Mackay ist die weltweite Wirtschaftskrise noch keineswegs ausgestanden. Er macht keinen Hehl daraus, dass sich die Berichte über die angeblich starke wirtschaftliche Belebung in vielen Ländern nicht mit einem steigenden Bierkonsum belegen lässt - einem für gewöhnlich sehr verlässlichen Indikator zunehmender Wirtschaftstätigkeit. "Normalerweise ist ein Anstieg des Bierkonsums kein Nachzügler, sondern gibt einen aktuellen Hinweis auf das Verhalten der Konsumenten", dozierte Mackay. "Ich bin mir nicht so sicher, dass uns hier nicht einige Beobachter etwas voreilig aus der schweren Rezession herausreden wollen." Er selbst habe in den letzten Jahrzehnten nie eine härtere Wirtschaftslage als jetzt erlebt.

Keine Erholung in den USA

SAB Miller ist nicht irgendein Brauer, sondern der weltweit führende in den Schwellenmärkten. Aber auch in den anderen Branchen gibt es kaum ein anderes Unternehmen, das weltweit derartig breit aufgestellt ist. Besonders ernüchternd mutet deshalb Mackays Einschätzung der USA an, wo sein Unternehmen vor zwei Jahren ein Joint Venture mit Molson Coors schloss und deshalb heute dort über einen Marktanteil von 30 Prozent verfügt. Die USA, so Mackay, gehörten sicherlich nicht zu jenen Märkten, wo SAB Miller eine Erholung ausmachen könne.

Trotz der schwierigen globalen Lage hat das weltweit zweitgrößte Brauereiunternehmen die Erwartungen auch in der Krise erfüllt - und hat weiter expandiert: So steigerte der Konzern im ersten Halbjahr (bis Ende September) den Umsatz aus eigener Kraft um drei Prozent auf 13,4 Mrd. Dollar. Unter Berücksichtigung von Wechselkursverlusten ergibt sich allerdings ein Rückgang von sechs Prozent, was gleichwohl über den Erwartungen liegt. Der Vorsteuergewinn schrumpfte jedoch um 26 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar.

Neben der Expansion in den Schwellenländern zahlen sich für SAB Miller nun auch die straffe Kostenkontrolle, der gestiegene Marktanteil in China und die kräftigen Preiserhöhungen in Lateinamerika aus. Daneben kann das Unternehmen mit preisgünstigen Biermarken und einem weit verzweigten Vertriebssystem punkten. Für die zweite Jahreshälfte verspricht sich der Konzern, der fast 90 Prozent des Gewinns in Schwellenländern wie Südafrika, Kolumbien und China erwirtschaftet, durch die sinkenden Rohstoff- und Materialkosten einen Gewinnanstieg. Vor allem was die Kosten für Aluminium und Glas betrifft, zeichnet sich nach Erwartung von SAB Miller eine deutliche Entspannung ab.

Trotz des jüngsten Verlusts von Marktanteilen an Heineken bleibt vor allem die frühere Heimat Südafrika ein besonders wichtiger Markt des Konzerns. Auch zehn Jahre nach dem Umzug an die Themse steuert die Kaprepublik noch immer 17 Prozent zum gesamten Bierausstoß und 21 Prozent zum Gewinn vor Steuern bei. Weil der südafrikanische Markt jedoch weitgehend gesättigt ist, will SAB Miller nun vor allem im übrigen Afrika wachsen. Das Potenzial dafür ist groß: Derzeit beträgt der afrikanische Bierkonsum pro Kopf lediglich sechs Liter pro Jahr. In Europa sind es in einigen Gegenden mehr als 150 Liter, in Südafrika immerhin fast 60 Liter.

Um im afrikanischen Markt stärker präsent zu sein, will SAB Miller eine bezahlbare Alternative zu den oft selbst gebrauten Bieren geben. Natürlich wittert das Unternehmen auch ein attraktives Geschäft: Schätzungen von SAB Miller zufolge ist der Schwarzmarkt in Afrika mengenmäßig rund viermal so groß wie der offizielle. In den zwölf afrikanischen Ländern, in denen SAB heute vertreten ist, werden rund 40 Mio. Hektoliter in den Hinterhöfen zusammengemixt. Insgesamt dürften im afrikanischen Schattenmarkt weit mehr als drei Mrd. Dollar im Jahr umgesetzt werden.

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