Biotechnologie
Die riskante Wette der Gebrüder Strüngmann

Biotechnologie stößt nicht überall auf Begeisterung. Dennoch sind die Investorenbrüder Strüngmann optimistisch. Nachdem sie im Generikageschäft Milliarden verdienten, setzen sie nun auf Biotech-Forschung aus der Heimat.
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FrankfurtDie Stimmung in der deutschen Biotechindustrie ist in diesen Tagen eher flau. Sichtbare Erfolge sind rar, die Finanzen knapp. Beobachter zweifeln zuweilen am Geschäftsmodell und an der Innovationskraft.

Von derlei Pessimismus lassen sich die Münchner Investoren Thomas und Andreas Strüngmann indessen nicht beirren. Die Gründer von Hexal, die den Generikahersteller 2005 für 5,6 Milliarden Euro an Novartis verkauften, glauben fest an die Zukunft der Biotechnologie. „Deutschland hat eine sehr starke Biotechforschung“, hält Thomas Strüngmann den Skeptikern entgegen. „Wir müssen nicht immer nach Amerika schauen.“

Seine Begeisterung ist weitaus mehr als ein Lippenbekenntnis. Gut 700 Millionen Euro haben die beiden Brüder über ihre Familienholding Santo inzwischen in diverse deutsche Biotechfirmen investiert. Sie zahlten Lehrgeld mit einem Engagement bei der Medigene AG, das man inzwischen weitgehend reduziert hat. Ihre Zuversicht für die übrigen elf Biotechbeteiligungen dagegen ist offenbar größer denn je.

Es handelt sich überwiegend um junge private Firmen aus dem Umfeld führender Medizin- und Biochemie-Fakultäten. Knapp zwei Dutzend Medikamentenkandidaten haben diese Firmen inzwischen in klinische Tests gebracht. In zwei bis drei Jahren könnten erste Produkte in die Zulassungsverfahren gehen.

Strüngmann verfolgt dabei keinerlei Pläne, die Engagements in irgendeiner Form zu bündeln. Und es gibt, wie er sagt, auch keine übergreifende Philosophie hinter den Investments. „Wir investieren ausschließlich in die Menschen.“

Gleichwohl ist durchaus eine gewisse strategische Linie zu erkennen: Die Biotechunternehmer des Strüngmann-Portfolios wagen sich wissenschaftlich fast durchweg auf Terrain, das vielen etablierten Arzneimittelfirmen zu unsicher erscheint. Und sie beschränken sich nicht auf einzelne Moleküle, sondern treten mit neuen Technologie-Plattformen an, zum Teil mit geradezu revolutionären Konzepten, die im Erfolgsfall eine Vielzahl von Wirksubstanzen und Therapieansätzen generieren könnten.

Die Berliner Glycotope etwa nutzt menschliche Blutzellen zur Produktion komplizierter Eiweißsubstanzen. Ziel ist es, sowohl völlig neue Substanzen als auch verbesserte Versionen etablierter Biotech-Wirkstoffe zu entwickeln, die in einigen Jahren etwa umsatzstarke Krebsmittel wie Erbitux (von Merck) oder Herceptin (Roche) ablösen könnten. Die Wuppertaler Aicuris, einst aus der Antibiotikaforschung von Bayer hervorgegangen, arbeitet an neuen Wirkstoffen gegen Virusinfektionen und resistente Krankenhauskeime.

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Individualisierte Impfstoffe gegen Krebs

Kommentare zu " Biotechnologie: Die riskante Wette der Gebrüder Strüngmann"

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  • Genau so ist es richtig. Wir können noch mehr engagierte und finanzkräftige Unternehmer brauchen, die innovative Ideen mit begleiten... Und wenn die Regierung dies fördern würde, könnte dies nicht schaden...

  • Sehe ich auch so.
    Unsere Pharmaindustrie ist leider nur auf kurzfristigen Erfolg + Unterdrückung und nicht Auslöschung einer Krankheit bedacht (Wie sollten sie sonst Geld verdienen wenn sie Krankheiten verschwinden lassen statt nur zu unterdrücken.)
    Da ist es umso wichtiger das Geld an Unternehmen gegeben wird die abseits von geltenden Trends forschen, unsichere Bereiche betreten und im Optimalfall auch wirklich die Bekämpfung einer Krankheit im Sinn haben.

    Ich setze viel Hoffnung in Biotechnologie und hoffe sie wird zukünftig vom Staat auch weniger reglementiert (Forschungstechnisch) und mehr gefördert...

  • Gut so. Wir brauchen mutige und engagierte Risikokapitalgeber. Wäre schön, wenn unsere Regierung diese Investments stärker förderte.

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